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Deutsches Kaiserreich
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Deutsche Kolonien einfach erklärt

Zwischen 1884 und 1914 gehörten Teile von Afrika, China und Ozeanien zu Deutschland. Diese Teile kannst du auch als Deutsche Kolonien bezeichnen.

In den deutschen Kolonien wurden Rohstoffe wie Gummi, Palmöl oder Baumwolle abgebaut und mit Schiffen nach Deutschland gebracht. Außerdem siedelten sich dort deutsche Auswanderer an. Diese unterdrückten die Einheimischen und beuteten sie aus. 

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Ehemalige Deutsche Kolonien

Deutschland besaß sogar so viele Gebiete, dass es das drittgrößte Kolonialreich der Welt war – gleich nach England und Frankreich!

Aber welche Deutschen Kolonien gab es eigentlich genau? Wir haben eine Übersicht für dich!

Deutsche Kolonien in Afrika, China und Ozeanien

Wie du bereits weißt, hatte Deutschland zur Kolonialzeit Kolonien in Afrika, China und Ozeanien. Schau dir dazu gerne die Karte oben nochmal genauer an. Die folgenden Länder zählten dabei konkret zu Deutschland: 

Deutsche Kolonien in Afrika und Ozeanien

Togo, Kamerun, Deutsch-Neuguinea und Deutsch-Samoa

Heutige Länder: Togo, Kamerun, Papua-Neuguinea, Mikronesien, Nördliche Marianen, Palau, Nauru, Marshallinseln, Salomonen, Samoa

Die Kolonien kannst du dir als Handels- und Plantagenkolonien vorstellen. Die Deutschen kauften den Einwohnern dort Waren wie Kaffee, Kakao, Kokosnüsse und Palmöl ab – dabei wurden die Einheimischen aber zu unfairen Deals gezwungen. Die Waren transportierten die Deutschen dann mit Schiffen nach Europa. 

Deutsche Kolonien in Afrika

Deutsch-Südwestafrika und Deutsch-Ostafrika

Heutige Länder: Namibia, Botswana, Tansania, Ruanda, Burundi

In die beiden Kolonien sollten Teile der Deutschen Bevölkerung ziehen. Allerdings sind tatsächlich nur sehr wenige Deutsche dahin ausgewandert

Deutsche Kolonien in China

Kiautschou-Bucht 

Die Kolonie in China – die Kiautschou-Bucht – sollte symbolisieren, dass Deutschland auch eine bedeutende Kolonialmacht war. Daher konntest du dort einen neuen Hafen, eine Trinkwasseranlage, eine Universität und sogar eine deutsche Brauerei finden. 

Wieso gab es deutsche Kolonien?

Insgesamt lohnten sich die Deutschen Kolonien nicht – Deutschland zahlte also mehr für die Kolonien als dass es davon einnahm. Und auch die Kolonien hatten keine Vorteile davon.

Aber: Alle einflussreichen Länder besaßen Kolonien. Deshalb wollte auch Deutschland Kolonien haben – einfach aus dem Grund, dass sie weiterhin in der Weltpolitik mitmischen konnten. 

Und wie kam Deutschland zu seinen Kolonien? 

Die erste deutsche Kolonie

Deutschland hatte – im Gegensatz zu den Großmächten England, Frankreich, Spanien und Portugal – lange nur eine einzige Kolonie: die Festung Groß Friedrichsburg im heutigen Ghana (Afrika). Die hatte der brandenburgische Kurfürst Friedrich Wilhelm erschaffen. Er handelte dort mit Gummi, Gold und Sklaven. Aber warum hatte Deutschland zu der Zeit nicht schon mehr Kolonien? 

Deutschland war im 17. Jahrhundert in viele kleine Einzelstaaten aufgeteilt. Vertreter der Einzelstaaten hatten zwar immer wieder versucht, Kolonien zu gründen – leider ohne Erfolg. Sie konnten sich gegen die Großmächte England, Frankreich, Spanien und Portugal einfach nicht durchsetzen. 

Aber auch nachdem das Deutsche Reich 1871 gegründet wurde und aus den ganzen Einzelstaaten ein großer Staat wurde, änderte sich nicht viel. Der Kanzler Otto von Bismarck wollte nämlich am Anfang keine Kolonien. Sie waren ihm zu teuer.

Kolonisierung von Afrika unter Bismarck 

Ein paar Jahre später – im Jahr 1884 – überlegte es sich Otto von Bismarck aber anders. Jetzt wollte er doch deutsche Kolonien. Du fragst dich, was seine Meinung zum Kolonialismus geändert hat? Für seine Meinungsänderung gab es wahrscheinlich drei große Gründe. Sehen wir sie uns mal etwas genauer an:

  • Kolonien haben wirtschaftlichen Nutzen:
    In Kolonien konnten die Unternehmen aus Deutschland ihre Produkte verkaufen. Außerdem gab es zum Beispiel in Afrika Rohstoffe, wie Kautschuk, Baumwolle oder Palmöl, die du in Deutschland nicht finden kannst. Damit konnten Waren (Reifen, Stoffe) hergestellt werden, die es davor noch nicht gab.

  • Staatlicher Schutz von Plantagen und Handelsstützpunkten:
    Unternehmer wie Adolph Woermann oder Franz Lüderitz haben schon, bevor es deutsche Kolonien gab, in Afrika Plantagen und Handelsstützpunkte gegründet. Aber ohne staatlichen Schutz hätten sie viel leichter Opfer von Angriffen der anderen Kolonialmächte wie Frankreich oder Spanien werden können.

  • Bevölkerungswachstum in Deutschland:
    In den 1880er Jahren gab es in Deutschland so viele Menschen, dass der Platz eng wurde. Deswegen wanderten viele Menschen aus. Damit sie nicht in Gebiete von anderen Großmächten gehen mussten, sollten sie in deutsche Kolonien ziehen.

Ab 1884 fing Deutschland unter Bismarck also an, sein Kolonialreich aufzubauen. Ein besonderes Ereignis ist dabei die Kongo-Konferenz

Kongo-Konferenz

In der Kongo-Konferenz wurde die Frage diskutiert: Wer bekommt welchen Teil von Afrika? Um das zu klären, lud Otto von Bismarck die europäischen Großmächte (u.a. Frankreich, Spanien, Portugal, England, Italien etc.), die USA und das Osmanische Reich (u.a. heutige Türkei) zur sogenannten Kongo-Konferenz nach Berlin ein.

Monatelang verhandelten sie, wer welchen Teil von Afrika bekommen sollte. Was die afrikanische Bevölkerung wollte, war ihnen dabei völlig egal.

Gründung und Erwerb von Kolonien

Nachdem Afrika unter den Großmächten aufgeteilt worden war, gab es nur noch ein Problem: Wie sollten die Gebiete in Afrika der Bevölkerung weggenommen werden? Schauen wir uns zwei Beispiele dazu an:

  • Beispiel 1: Land abkaufen

Der deutsche Abenteurer Heinrich Vogelsang kaufte einem Häuptling einige Quadratkilometer Land ab. Er bezahlte ihn mit 200 alten Gewehren und 100 Pfund.

Bei dem Deal wendete Heinrich Vogelsang aber einen hinterlistigen Trick an: Statt den geläufigen englischen Meilen (1 engl. Meile = 1.600 m) verwendete er die deutschen Meilen (1 dt. Meile = 7.500 m). Das sagte er dem Häuptling aber nicht. Daher war das gekaufte Land viel größer als die Ureinwohner dachten. 

  • Beispiel 2: Zweifelhafte Verträge schließen 

In Deutsch-Ostafrika (heute: Tansania, Burundi und Ruanda) schloss der deutsche Kolonialherr Carl Peters mit der Bevölkerung Verträge ab. Er versuchte, sie mit Geschenken (Geld, Schmuck und Waffen) zu überzeugen. Wenn sie daraufhin nicht einwilligten, setzte er Gewalt ein.

„Unterschrieben“ haben die Einheimischen die Verträge mit Kreuzchen oder einfach per Handschlag. Von fairen Bedingungen kann also nicht die Rede sein. Vielmehr wurden die Einheimischen damit ausgenutzt und ausgebeutet.

Leben in den deutschen Kolonien in Afrika

Nachdem Deutschland seine Kolonien hatte, verbreitete sich die deutsche Kultur und Lebensweise. Mit der Zeit wurden Polizisten und Beamte aus Deutschland in die Kolonien geschickt. Außerdem entstanden Schulen, Kirchen und Kultureinrichtungen. 

Die Siedler behandelten die Einheimischen aber nicht wie Mitmenschen. Obwohl es viel mehr Ureinwohner als Siedler gab, hatten sie kein Mitspracherecht und wurden als Sklaven ausgebeutet: Die Deutschen zwangen sie mit Gewalt, für sie zu arbeiten. 

In den Kolonialgebieten verbreiteten sich auch christliche Missionare. Sie hatten es sich zur Aufgabe gemacht, den Ureinwohnern die deutsche Kultur und den christlichen Glauben nahezubringen. Allerdings wollten die Deutschen auch, dass die Einheimischen nicht zu gebildet wurden. Ungebildet ließen sich sich nämlich leichter ausbeuten.

Die Einheimischen litten extrem unter der Kolonialisierung. Gewalt und Tod stand an der Tagesordnung. Es wurden sogar ganze Völker ausgelöscht!

Kriege und Völkermord in den Kolonien 

Besonders schlimm traf es etwa 80 000 Herero (ehemaliges südwestafrikanisches Hirtenvolk) in Deutsch-Südwest Afrika. 

Die deutschen Siedler nahmen ihnen Weideflächen für ihre Rinder weg. Außerdem schlossen die Deutschen mit ihnen unfaire Verträge ab. Dadurch verloren die Herero viel Geld. 

Davon hatten sie aber irgendwann genug: Im Jahr 1904 fingen die Herero – angeführt von Krieger Samuel Maharero – an, sich zu wehren. Sie griffen deutsche Farmen, Handelsstationen und die Eisenbahnstrecke an. Gouverneur Theodor Leutwein wollte den Konflikt noch durch Verhandlungen lösen – allerdings ohne Erfolg. Ein Krieg war nicht mehr aufzuhalten.

Schließlich kam es zur Schlacht von Watenberg. Der deutsche Kommandant Lothar von Trotha wollte die Herero besiegen und trieb sie in die Wüste Omaheke. Er schnitt den Hereros den Zugang zu Wasser ab – 60 000 Hereros mussten daraufhin verdursten. Es überlebte also nur etwa ein Viertel des Volkes. Deswegen handelt es sich hierbei um einen Völkermord.

Genauso qualvoll wurde ein Aufstand des Volkes Nama niedergeschlagen. Auch sie wehrten sich gegen die Ausbeutung durch die deutschen Siedler und wurden so Opfer eines grausamen Völkermordes

Ende der deutschen Kolonialzeit

Den Beginn des Ersten Weltkrieges kannst du dir als Ende der deutschen Kolonialzeit merken. Schon wenige Monate nach dem Kriegsausbruch fielen die ersten deutschen Kolonien an England, Frankreich und die USA. Notgedrungen mussten die deutschen Siedler nach Deutschland zurückkehren. 

Nach dem ersten Weltkrieg verfolgte Adolf Hitler den Plan, Afrika erneut zu kolonialisieren. Dies gelang ihm aber nicht.

Deutsche Kolonien gibt es also nicht mehr. Aber wie sieht das Leben heute in den ehemaligen deutschen Kolonien aus? 

Die ehemaligen deutschen Kolonien heute

Heute leben in den ehemaligen deutschen Kolonien nur noch sehr wenige Nachkommen von den Siedlern damals. Sie haben aber meistens hohe Positionen in der Wirtschaft und sind daher sehr wohlhabend. Deutsch wird in den Ländern auch nicht mehr gesprochen – das wurde während des ersten Weltkrieges von Französisch oder Englisch verdrängt. 

Erster Weltkrieg

Die Kolonialzeit in Deutschland endete mit dem Ersten Weltkrieg . Schau dir jetzt unser Video dazu an, um zu erfahren, wie es nach der deutschen Kolonialgeschichte weitergeht. Bis gleich!

Zum Video: Erster Weltkrieg
Zum Video: Erster Weltkrieg

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