Lyrik
Beispiele für Gedichtanalysen
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Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Übersicht

Das Sonett Vergänglichkeit der Schönheit“ von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau wurde im Jahr 1695 veröffentlicht.  Du kannst es der Epoche des Barock zuordnen. In dem Gedicht geht es um den Verlust der Schönheit. Das lyrische Ich beschreibt das Älterwerden einer jungen Frau und wie sich ihr Körper dadurch verändert. Ihre Seele ist von diesem Verfall allerdings nicht betroffen und überdauert sogar den Tod. 

In deiner Gedichtanalyse schaust du dir Inhalt, Form und Sprache genauer an. Wenn du nochmal wiederholen möchtest, wie du dabei vorgehst, dann klick einfach hier

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Analyse

Schau dir zunächst den „Vergänglichkeit der Schönheit“ Text an. 

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau

Vergänglichkeit der Schönheit (modernisierte Version des Originaltexts)

Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand
Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen
Der liebliche Korall der Lippen wird verbleichen;
Der Schultern warmer Schnee wird werden kalter Sand.

Der Augen süßer Blitz, die Kräfte deiner Hand
Für welchen solches fällt, die werden zeitlich weichen
Das Haar, das itzund kann des Goldes Glanz erreichen
Tilgt endlich Tag und Jahr als ein gemeines Band.

Der wohlgesetzte Fuß, die lieblichen Gebärden
Die werden teils zu Staub, teils nichts und nichtig werden
Denn opfert keiner mehr der Gottheit deiner Pracht.

Dies und noch mehr als dies muss endlich untergehen
Dein Herze kann allein zu aller Zeit bestehen
Dieweil es die Natur aus Diamant gemacht.

Schon gewusst? Das veraltete Wort „itzund“ bedeutet „jetzt“.

Eine Aufgabenstellung für eine „Vergänglichkeit der Schönheit“ Analyse könnte so aussehen:

Analysiere und interpretiere das Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ von Christian Hoffmann von Hoffmannswaldau und gehe dabei auf Inhalt, Form und Sprache ein. Berücksichtige insbesondere, dass es sich bei „Vergänglichkeit der Schönheit“ um ein Gedicht aus dem Barock handelt und beziehe in deine Analyse typische Merkmale der Epoche ein.

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Gliederung

Für deine „Vergänglichkeit der Schönheit“ Analyse könntest du folgende Gliederung nutzen:

  1. Einleitung: Wichtigste Informationen zu „Vergänglichkeit der Schönheit“
  2. Hauptteil
    2.1 Inhalt: Vanitas-Thematik des Barock
    2.2 Form: Zusammensetzung aus zwei Quartetten (Strophe mit vier Versen) und zwei Terzetten (Strophe mit drei Versen) als Merkmal eines Sonetts
    2.3 Sprache: Oxymoron zur Beschreibung der Vergänglichkeit
  3. Schluss: Betonung der inneren Werte 

Für deine Gedichtanalyse brauchst du auch immer eine Deutungshypothese . Das bedeutet, dass du eine Behauptung über das Gedicht aufstellst und diese in der Interpretation begründest. 

In unserem Beispiel ist die Deutungshypothese bereits vorgegeben. Du sollst zeigen, wieso „Vergänglichkeit der Schönheit“ ein typisch barockes Gedicht ist. In deiner Interpretation beziehst du dich daher auf die Epoche des Barock und unterstützt deine Analyse mit passenden Beispielen.

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Einleitung

In der Einleitung nennst du die wichtigsten Fakten zum Gedicht. Danach gehst du kurz auf den Inhalt ein und gibst an, worauf du in deiner Analyse den Fokus legst. Eine Einleitung zu „Vergänglichkeit der Schönheit“ könnte so aussehen:

Christian Hoffmann von Hoffmannswaldaus Sonett „Vergänglichkeit der Schönheit“ wurde 1695 veröffentlicht und ist ein typischer Vertreter des Barock. In dem Gedicht geht es um die Vergänglichkeit der Schönheit durch das Älterwerden. Dem Verlust der Schönheit steht die Seele des Menschen gegenüber. Diese überdauert selbst den Tod. Im Folgenden soll das Sonett analysiert und interpretiert werden. Dabei wird besonders auf Epochenmerkmale des Barock eingegangen. 

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Hauptteil

Wie du bereits in der Gliederung gesehen hast, gehst du im Hauptteil genauer auf Inhalt, Form und Sprache des Gedichts ein. 

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Inhalt

Schau dir das Sonett genauer an. Worum geht es? Was passiert in den einzelnen Strophen? Eine kurze Inhaltsangabe der ersten Strophe könnte so aussehen: 

Hoffmannswaldaus Sonett besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten. Im ersten Quartett beschreibt das lyrische Ich den Tod. Dieser wird in Form des Älterwerdens eine junge Frau einholen. Daraufhin wird ihre Schönheit vergehen. 

Achte in deiner Inhaltsangabe auch immer darauf, ob sich der Schauplatz, die Stimmung oder die Gefühle des lyrischen Ichs ändern. 

Merke: Als lyrisches Ich bezeichnest du den Sprecher in einem Gedicht. Du darfst das lyrische Ich aber nicht mit dem Autor verwechseln.

Wirf auch einen Blick auf die restlichen Strophen des Gedichts. In der zweiten Strophe beschreibt das lyrische Ich weiter, wie sich der Körper der jungen Frau im Laufe der Zeit verändern wird. Beispielsweise werden ihre lebhaften Augen ausdruckslos werden und ihre Haare werden ihren Glanz verlieren. Auch ihr edles Verhalten wird an Bedeutung verlieren, da ihre Schönheit vergangen ist. 

In der letzten Terzette gibt es allerdings einen Wendepunkt: Die Frau wird zwar altern und ihre Schönheit verlieren. Jedoch bleibt ihr „Herze“ (V. 13) für immer bestehen. Das Herz steht hier für die Seele. Diese wird nicht altern und zerfallen, sondern existiert nach dem Tod weiter. 

Folgende Fragen können dir dabei helfen, den Inhalt weiter zusammenzufassen und dich auf die Epoche des Barock zu beziehen. 

  • Typisch für die Literatur des Barock ist das Vanitas-Motiv, also die Vergänglichkeit des Menschen. Findest du im Gedicht Beispiele für das Vanitas-Motiv? Welche Aspekte des Menschen sind davon betroffen? → Lösung: Nur das äußere Erscheinungsbild ist betroffen. Zum Beispiel werden die Lippen der Frau durch das Altern blasser werden (V. 3). Eine Ausnahme bildet allerdings ihr „Herze“ (V. 13), also ihre Seele. Diese ist nicht von der Vergänglichkeit betroffen.
  • Das „Herze“ (V. 13) der jungen Frau sei aus „Diamant gemacht“ (V. 14). Welche Eigenschaften verbindest du mit diesem sprachlichen Bild?→ Lösung: Der Diamant ist ein besonders harter Edelstein, der nicht leicht zerstört werden kann. Außerdem ist er sehr wertvoll. Die Seele der Frau ist also besonders edel und schön, aber auch widerstandsfähig. Deswegen kann selbst der Tod sie nicht zerstören.
  • Ein berühmter Grundsatz des Barock lautet „Memento mori“ (dt. Bedenke, dass du sterben wirst). Gibt es Stellen im Gedicht, die diesen Gedanken aufgreifen?→ Lösung: Der Tod selbst tritt gleich zu Beginn der ersten Strophe auf. Es wird also betont, dass der Tod unausweichlich ist und die Menschen früher oder später einholen wird.
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Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Form

Als Nächstes schaust du dir die Form genauer an. Dazu gehören zum Beispiel das Reimschema, Versmaß, Metrum und die Kadenzen. Wenn du nicht mehr weißt, was das ist, dann klick einfach hier: Reimschema , Versmaß , Metrum , Kadenz .

In der Analyse ist es wichtig, dass du die formalen Merkmale nicht nur aufzählst, sondern auch interpretierst. Beschreibe deshalb auch ihre Wirkung im Gedicht. Außerdem kannst du hier auch auf die Textsorte eingehen und dich auf den Barock beziehen. Ein kleiner ausformulierter Teil zur Form könnte so aussehen: 

Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“ ist ein Sonett. Es besteht aus zwei Quartetten und zwei Terzetten. Insgesamt gibt es somit 14 Verse. Die beiden Quartette haben einen umarmenden Reim. Die erste und letzte Zeile der Strophe reimen sich also. So betont das Gedicht, dass der Tod und die damit verbundene Vergänglichkeit alles einschließen und nicht aufgehalten werden können. Die beiden Terzette hingegen haben einen Schweifreim. Die letzten beiden Verse der Terzette reimen sich, ebenso wie die beiden ersten Verse der jeweiligen Strophe. Das Sonett greift das für den Barock typische Thema von Tod und Vergänglichkeit auf. Die strenge Form zeigt dabei, dass der Mensch diesem Verfall nicht entkommen kann.

Gut zu wissen – Tipps & Tricks
  • Um die Kadenzen zu bestimmen, schaust du dir die letzte Silbe im Vers an. Ist die Silbe betont, dann handelt es sich um eine männliche Kadenz, z. B. „Hand“ (V. 1). Endet der Vers auf eine unbetonte Silbe, dann ist die Kadenz weiblich, z. B. „streichen“ (V. 2).
  • Der umarmende Reim hat das Schema abba. Schau dir dazu Strophe eins an: Hand — Sand, streichen — verbleichen
  • Der Schweifreim folgt dem Schema aab aab. Wirf dazu einen Blick auf die letzten beiden Strophen: Gebärden — werden, untergehen — bestehen, Pracht — gemacht.
  • Ein Quartett ist eine Strophe, die aus vier Versen besteht. Das siehst du in Strophe eins und zwei.
  • Ein Terzett besteht aus drei Versen, so wie die Strophen drei und vier.

Folgende Punkte helfen dir, in deiner Analyse noch mehr auf die Form einzugehen. 

  • Das Versmaß ist ein sechshebiger Jambus , auch Alexandriner genannt. Auf jede unbetonte Silbe folgt eine betonte Silbe. In der Mitte des Verses entsteht so eine Pause. Diese nennst du auch Zäsur. Welche Wirkung hat dieser gleichmäßige Rhythmus? Betont er vielleicht den Prozess des Alterns und unaufhaltsamen Verlust der Schönheit?
  • Die Kadenzen passen sich dem Reimschema an. Im umarmenden Reim der Quartette haben der erste und der letzte Vers einer Strophe je männliche Kadenz — sie enden also auf eine betonte Silbe. Die beiden mittleren Verse der Quartette haben weibliche Kadenz, sie enden also unbetont. In den Terzetten haben die ersten beiden Verse je weibliche Kadenz und der letzte Vers männliche Kadenz.

Vergänglichkeit der Schönheit – Hoffmannswaldau: Sprache

Als Letztes untersuchst du die sprachliche Gestaltung des Gedichts. Dabei schaust du dir an, welche Zeitformen in dem Gedicht vorkommen, ob es beschreibende Adjektive gibt und aus welchem Wortfeld die Nomen stammen. Als Wortfeld bezeichnest du eine Gruppe von Wörtern, die eine ähnliche Bedeutung haben und zur gleichen Wortart gehören. Außerdem suchst du im Text nach sprachlichen Mitteln und beschreibst ihre Wirkung im Gedicht. Eine kurze Ausformulierung zum Stilmittel des Oxymorons könnte so aussehen:

Hoffmannswaldaus Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ beschreibt den Verlust der Schönheit durch das Altern mithilfe eines Oxymorons. In Vers vier nutzt das lyrische Ich die Ausdrücke „warmer Schnee“, sowie „kalter Sand“, um das Motiv der Vergänglichkeit zu betonen. Dafür werden zwei gegensätzliche Begriffe wie „Schnee“ und „warm“ zusammengesetzt. „Warm“ bezieht sich hier auf die Körperwärme. Diese wird kalt werden, wenn die junge Frau stirbt. Das Oxymoron stellt also die zwei Gegensätze Leben und Tod gegenüber, um die Vergänglichkeit zu betonen. 

In deiner Analyse solltest du auf mindestens vier sprachliche Phänomene eingehen. Die folgenden Fragen helfen dir, weitere sprachliche Besonderheiten zu finden und dich auf den Barock zu beziehen. 

  • Als Alliteration bezeichnest du aufeinanderfolgende Wörter, die mit demselben Anfangsbuchstaben beginnen. Findest du im Gedicht eine Alliteration? Was ist ihre Wirkung? → Lösung: In Vers sieben gibt es die Alliteration „Goldes Glanz“. Diese Beschreibung bezieht sich auf die Haare der jungen Frau. Damit betont das lyrische Ich die Schönheit und Jugend der jungen Frau, bevor der Tod sie eingeholt hat.
  • Im Text gibt es außerdem eine Personifikation des Todes in Vers eins: „Es wird der bleiche Tod mit seiner kalten Hand /Dir endlich mit der Zeit um deine Brüste streichen“ (V. 1-2). Das bedeutet, dass dem Tod menschliche Eigenschaften zugeschrieben werden. Welche Wirkung wird dabei erzielt? → Lösung: Der Tod wird als Person dargestellt, die aktiv nach dem Leben der Menschen greift. So wirkt der Tod lebendiger und wie eine Bedrohung.
  • Zudem findest du ein Hendiadyoin in Vers zehn. Hier wird ein Begriff durch zwei sehr ähnliche Begriffe ausgedrückt. Das lyrische Ich beschreibt, dass die Gesten der Frau „nichts und nichtig“ (V. 10) sein werden. Was ist die Wirkung dieser doppelten Verneinung? Betont sie vielleicht auch die Vergänglichkeit und den Tod, der alles auslöschen wird? 
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Vergänglichkeit der Schönheit – Hofmannswaldau: Schluss

Im Schluss fasst du deine Erkenntnisse nochmal zusammen. Außerdem überlegst du dir, was das Gedicht für eine Bedeutung haben könnte. Ein ausformulierter Schlussteil könnte so aussehen: 

Hoffmannswaldaus Gedicht „Vergänglichkeit der Schönheit“ greift das Vanitas-Motiv des Barock auf und befasst sich mit dem Verlust der Schönheit durch Alter und Tod. Im Sonett stellt er die Vergänglichkeit der äußeren Merkmale der Beständigkeit der Seele gegenüber. Während alles Äußere vergeht, bleibt der Kern des Menschen, seine Seele, bestehen. Das Gedicht ist also ein Aufruf, auf die inneren Werte zu achten. Diese sind, im Gegensatz zur äußerlichen Schönheit nicht vom Verfall betroffen.

Gedichtanalyse Beispiel

Jetzt weißt du, wie du Christian Hoffmann von Hoffmannswaldaus „Vergänglichkeit der Schönheit“ analysieren und interpretieren kannst. Wenn du noch ein weiteres ausführliches Beispiel für eine Gedichtanalyse mit guten Formulierungen suchst, dann schau dir gleich dieses Video an.

Zum Video: Gedichtanalyse Beispiel
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