Textarten Deutsch

Die Kadenz ist ein wichtiges Merkmal von Gedichten. Welche Arten es gibt und wie du sie bestimmst, erfährst du in unserem Beitrag.

Schau dir gleich auch unser Video an!

Inhaltsübersicht

Kadenz Gedicht – Was ist eine Kadenz?

In der Lyrik, also in Gedichten, bezeichnet die Kadenz die Betonung am Ende des Verses. Dabei kann die letzte Silbe im Vers entweder betont oder unbetont sein.

Insgesamt unterscheidest du drei Arten von Kadenzen: die männliche, die weibliche und die reiche Kadenz. Woran du die Kadenzen genau erkennst, zeigen wir dir im nächsten Abschnitt. 

Kadenz

Die Kadenz in einem Gedicht sagt aus, welche Betonung die letzten beiden Silben im Vers haben.

Kadenz Gedicht – Kadenz bestimmen

Wenn du für eine Gedichtanalyse  die Kadenz bestimmen willst, sind die letzten beiden Silben im Vers interessant. Dabei gehst du ähnlich vor wie bei der Bestimmung von Versmaß  oder Metrum . Zur Silbenbestimmung schaust du dir am besten diese Artikel vorher an.

Du trennst also alle Silben durch einen Strich voneinander. Im nächsten Schritt markierst du die betonten Silben mit einem – oder X und die unbetonten Silben mit einem ∪ oder x. In Goethes Gedicht Gefunden sieht das zum Beispiel so aus: 

   ∪      –         ∪       –      ∪
Ich | ging | im | Wal|de
  ∪     –          ∪         –
so |r | mich | hin.
    ∪          –            ∪      –     ∪
Und | nichts | zu | su|chen.
    ∪         –           ∪          –
Das | war | mein | Sinn.

  ∪            –       ∪        –      ∪
Im | Schat|ten | sah | ich
   ∪         –          ∪            –     
ein | Blüm|chen | stehn,
    ∪         –      ∪        –         ∪
wie | Ster|ne | leuch|ten,
   ∪         –       ∪             –     
wie | Äug|lein | schön.

Kadenz Gedicht – männliche Kadenz

Bei der männlichen Kadenz (auch: stumpfe Kadenz) endet der Vers auf eine betonte Silbe. Die letzten beiden Silben im Vers sind also: unbetontbetont. In deiner Gedichtanalyse kannst du über die Silben dann ∪ – oder xX schreiben.

Ein Beispiel für eine männliche Kadenz findest du in Theodor Storms Gedicht Die Stadt:

   ∪         –      ∪           –            ∪           –      ∪          –
Am | grau|en | Strand, | am | grau|en | Meer
  ∪          –      ∪        –           ∪         –
und | seit|ab | liegt | die | Stadt.
    ∪        –     ∪          –            ∪        –       ∪              –
Der | Ne|bel | drückt | die | Dä|cher | schwer,
    ∪           –           ∪        –   ∪          –           ∪           –
und | durch | die | Stil|le | braust | das | Meer
  ∪     –    ∪       –         ∪         –     
ein|tö|nig | um | die | Stadt.

Kadenz Gedicht – weibliche Kadenz

Wenn die letzte Silbe im Vers unbetont ist, sprichst du von einer weiblichen Kadenz (auch: klingende Kadenz). Aber Vorsicht: Dafür muss die vorletzte Silbe betont sein. Schau dir also immer die letzten zwei Silben im Vers an!

Die Silbenfolge am Ende des Verses ist dann: betontunbetont. Abkürzen kannst du sie mit – ∪ oder Xx. In seiner Ballade Der Ring des Polykrates verwendet Schiller auch größtenteils weibliche Kadenzen:

 ∪       –             ∪       –      ∪       –        ∪          –     ∪
Er | stand | auf | sei|nes | Da|ches | Zin|nen,
 ∪           –      ∪        –       ∪        –       ∪        –      ∪
Er | schau|te | mit | ver|gnüg|ten | Sin|nen

   ∪        –        ∪      –              ∪     –      ∪        –     
auf | das | be|herrsch|te | Sa|mos |hin.
      ∪        –    ∪      –       ∪       –     ∪    –    ∪
„Dies | al|les | ist | mir | un|ter||nig“,
   ∪     –         ∪      –     ∪     –      ∪          –     ∪
be|gann | er | zu | Ä|gyp|tens | Kö|nig,
      ∪     –    ∪       –          ∪         –         ∪        –     
Ge|ste|he,| dass | ich | glück|lich | bin!“

Kadenz Gedicht – reiche Kadenz

Die reiche Kadenz (auch: volle Kadenz) endet auf mehrere unbetonte Silben. Die letzten drei Silben im Vers sind dann: betontunbetontunbetont. Für diesen Fall kürzt du die Silben mit – ∪ ∪ oder Xxx ab. Die reiche Kadenz kommt sehr selten vor.

Ein Beispiel für die reiche Kadenz findest du in Rilkes Sonette an Orpheus in den Versen 1, 3 und 4:

   –         ∪        ∪         –       ∪     ∪
Wir | sind | die| Trei|ben|den.
  –    ∪       ∪              –          ∪      –
A|ber | den | Schritt | der | Zeit,
     –           ∪       ∪         –    ∪     ∪
nehmt | ihn | als | Klei|nig|keit
 –      ∪     ∪            –      ∪     ∪
im | im|mer | Blei|ben|den.

Wichtig

Wenn du nur die letzte Silbe im Vers anschaust, kannst du die reiche Kadenz schnell mit der weiblichen Kadenz verwechseln. Denn in beiden Fällen ist die letzte Silbe unbetont. Um die Kadenz zu bestimmen, nimmst du dir daher die letzten zwei Silben vor! 

Kadenz Gedicht – Beispiel

In Heines Lied von der Loreley kannst du dein Wissen über die Kadenzen gleich anwenden. Wie oben sind die betonten Silben mit – und die unbetonten Silben mit ∪ abgekürzt:

  ∪         –           ∪            ∪       –        ∪     ∪      –       ∪                   (weibliche Kadenz)
Ich | weiß | nicht, | was | soll | es | be|deu|ten,               
  ∪           –     ∪         –     ∪      –                                                        (männliche Kadenz)
dass | ich | so | trau|rig | bin;
  ∪        –        ∪         ∪      –    ∪         –      ∪                                     (weibliche Kadenz)
ein | Mär|chen | aus | al|ten | Zei|ten,
  ∪            –             ∪        ∪          –          ∪         –                            (männliche Kadenz)
das | kommt | mir | nicht | aus | dem | Sinn.

    ∪        –        ∪       –          ∪         –       ∪
Die | Luft | ist | kühl | und | dun|kelt,                                  (weibliche Kadenz)
   ∪        –   ∪          –            ∪         –      
und | ru|hig | fließt | der | Rhein,                                          (männliche Kadenz)
   ∪        –      ∪        ∪        –       ∪       –       ∪
der | Gip|fel | des | Ber|ges | fun|kelt                                 (weibliche Kadenz)
  ∪      –     ∪         –      ∪            –      
im | A|bend|son|nen|schein.                                                 (männliche Kadenz)

Wie du siehst, müssen die Betonungen im Gedicht nicht durchgehend gleich sein. Du sprichst hier von unregelmäßigen Betonungen. Schau dir dazu am besten noch unseren Beitrag zum Versmaß an! %Verweis Thumbnail Versmaß

Häufig hängt die Kadenz eng mit dem Reimschema zusammen. Die Verse, die sich reimen (V. 1 und 3, V. 2 und V. 4) haben auch dieselbe Kadenz. Mit den Reimen wechseln sich auch die Kadenzen in jedem Vers ab.

Kadenz Gedicht – Funktion und Wirkung

Für deine Gedichtinterpretation  ist interessant, welche Wirkung die Kadenz auf den Leser hat. Gemeinsam mit dem Metrum beeinflusst die Kadenz den Rhythmus. Sie ist auch dafür verantwortlich, wie flüssig sich das Gedicht liest.

Wenn du dir Heines Gedicht ansiehst, kannst du die Wirkung der Kadenz deutlich erkennen: Durch die wechselnden Kadenzen klingt das Gedicht sehr harmonisch. Der Übergang zwischen den einzelnen Versen ist fließend. Dadurch hört sich das Gedicht tatsächlich wie ein Lied an.

Schauen wir uns noch ein weiteres Beispiel von Friedrich Schiller an. In seiner Ode an die Freude lässt sich gut feststellen, welche Wirkung das Versmaß und letztlich auch die Kadenz auf den Lesefluss hat:

     –       ∪        –      ∪          –     ∪      –     ∪
Freu|de | schö|ner | Göt|ter|fun|ken,                             (weibliche Kadenz)
    –       ∪        –      ∪   –   ∪  –  
Toch|ter | aus | E|ly|si|um.                                                   (männliche Kadenz)
   –      ∪      –    ∪        –     ∪      –      ∪
Wir | be|tre|ten | feu|er|trun|ken,                                     (weibliche Kadenz)
   –         ∪      –          ∪          –   ∪    –   
himm|li|sche,| dein | Hei|lig|tum.                                     (männliche Kadenz)
   –     ∪        –     ∪         –      ∪          –     ∪
Dei|ne | Zau|ber | bin|den | wie|der,                                (weibliche Kadenz)
    –        ∪         –    ∪         –             ∪      –    
was | die | Mo|de | streng | ge|teilt.                                 (männliche Kadenz)
   –  ∪        –           ∪         –       ∪           –     ∪
Al|le | Men|schen | wer|den | Brü|der,                            (weibliche Kadenz)
   –         ∪         –       ∪        –    ∪          –    
wo | dein | sanf|ter | Flü|gel | weilt.                                   (männliche Kadenz)

Auch in diesem Beispiel wechseln sich weibliche und männliche Kadenzen ab. Den wechselnden Kadenzen entspricht auch das Reimschema, hier liegt nämlich ein Kreuzreim vor (abab).

Beim genauen Betrachten der Verse fällt auf: Nach den Versen, die auf eine weibliche Kadenz enden, z. B. V. 1 und V. 3, geht der Satz im nächsten Vers weiter.

Dagegen finden sich am Ende von Sätzen immer wieder männliche Kadenzen. Denn männliche Kadenzen sorgen am Ende von Versen für eine längere Sprechpause als weibliche Kadenzen. So wird beispielsweise durch die betonte Silbe in Hei-lig-tum in V. 4 der Satz abgeschlossen.

Kadenz Gedicht – Übersicht

Mit unserer kurzen Tabelle behältst du garantiert den Überblick über die verschiedenen Kadenzen:

Kadenz Betonung der letzten Silben
männliche/stumpfe Kadenz unbetont – betont: ∪ –
weibliche/klingende Kadenz betont – unbetont: – ∪
reiche/volle Kadenz betont – unbetont – unbetont: – ∪ ∪

Für deine Gedichtanalyse musst du nicht nur die Kadenz bestimmen können – wichtig ist auch das Reimschema. Wenn du darin noch nicht fit bist, schau dir jetzt gleich noch unser Video dazu an! %Thumbnail Reimschema 

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