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Texte aus der Zeitung
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Eine Glosse ist ein kurzer, humorvoller Text zu einem aktuellen Thema. In diesem Beitrag und in unserem Video  erfährst du alles Wichtige zu dieser Textsorte.

Was ist eine Glosse? 

Eine Glosse ist eine journalistische Textsorte. Du erkennst sie an ihrer Kürze und an ihrer überspitzten, ironischen und humorvollen Darstellung eines aktuellen Themas. 

Glossen findest du vor allem in Zeitungen oder Magazinen. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Textsorte, da die Autoren sowohl Kritik an etwas ausüben als auch unterhalten wollen. 

Glosse Definition 

Eine Glosse (gr. glōssa = Zunge, Sprache) bezeichnet eine bestimmte Textsorte, die meist ein aktuelles Ereignis auf satirische und beurteilende Art und Weise aufgreift. 

Glosse – Merkmale

Die folgenden Punkte geben dir einen Überblick über die Merkmale der Glosse:

  • Kürze: Die Glosse gehört zu den kürzeren Textsorten und ist dementsprechend deutlich weniger umfangreich als andere Zeitungsartikel
  • Aktualität: Glossen beschäftigen sich mit aktuellen Ereignissen — dabei allerdings sowohl mit dem internationalen als auch dem lokalen Geschehen. Demnach kannst du die Lokalglosse, manchmal auch Lokalspitze genannt, als eigene Art der Textsorte abgrenzen. Sie behandelt folglich immer nur regionale Themen.
  • Meinung: Der Autor spiegelt im Text stets seine Meinung wider. Mitunter ist das Ziel auch, den Leser zu beeinflussen oder auch ihn dazu anzuregen, sich seine eigene Meinung zu bilden.
  • Stil: Glossen haben einen sehr charakteristischen Schreibstil. Meist sind sie sprachlich sehr elegant gestaltet und bedienen sich einiger Stilmittel . Darunter häufig Hyperbeln , Ironie , Sarkasmus manchmal sogar Zynismus . Aber auch andere Wortspiele wie Metaphern bzw. Personifikationen findest du in den Texten.

Glosse – Beispiele 

Wie die einzelnen Merkmale an konkreten Texten umgesetzt werden, zeigen dir die folgenden Beispiele. 

Glosse – Beispiel: 

  • Kürze: Das „Streiflicht“ der Süddeutschen Zeitung ist eine der bekanntesten Glossen. Sie beschränkt sich mit 72 Zeilen lediglich auf die linke Spalte der Titelseite. Aber auch in anderen Zeitungen nehmen die Texte immer auffallend wenig Platz ein. 
  • Aktualität: Im Juni 2017 erschien, passend zu der Rechtschreibreform desselben Jahres, in der ZEIT eine Glosse über die Neuerung, das scharfe ß nun auch großschreiben zu können.
  • Meinung: „Daß hat sich daß Eszett sowaß von verdient, und an diesem Festtag sollte uns diese Schreibweise bitte gestattet sein, ohne daß irgendein ABC-Heckenschütze Beschwerde einlegt.“( – Die ZEIT: Das kleine ß fährt in den Urlaub)
  • Stil: „Das Eszett war lange ein kleiner, abgehängter Buchstabe, den man bald aus dem letzten Schloß und jedem Fluß verjagte und als Buckel-S beschimpfte, als verhärmte halbe Portion, die mit doofen Diphthongen spielen musste.“ ( – Die ZEIT: Das kleine ß fährt in den Urlaub)
    • In diesem Abschnitt personifiziert der Autor den Buchstaben ß besonders deutlich. Außerdem erkennst du auch ironische Übertreibungen und einen Okkasionalismus. Du weißt nicht genau, was ein Okkasionalismus ist? Dann schau dir einfach unseren Beitrag zum Neologismus an — im unteren Teil findest du die passende Erklärung.

Abgrenzung von anderen Textsorten

Neben der Glosse gibt es noch einige weitere journalistische Textsorten. Die folgende Übersicht verdeutlicht dir den Unterschied zwischen den einzelnen Textarten. 

Nachricht

Die Textsorte Nachricht findest du ebenfalls in Zeitungen. Hier geht es allerdings wirklich nur darum, den Leser zu informieren. Also die klassischen W-Fragen (Wer, wann, wo, was, wie und warum?) zu beantworten. Weder fließt die Meinung des Autors in eine Nachricht ein, noch findest du dort uneindeutige Formulierungen. 

Kommentar 

In einem Kommentar bringen Autoren auch ihre eigene Meinung zum Ausdruck. Deshalb ist das die journalistische Textsorte, die der Glosse am ähnlichsten ist. Einen Unterschied kannst du dir aber merken: Autoren eines Kommentars begründen ihre Meinung immer sachlich. Sie überspitzen ihren Text nicht mit satirischen oder ironischen Elementen. 

Kolumne 

Die Kolumne kannst du als Sonderform des Kommentars bezeichnen. Sie erscheint allerdings regelmäßig und wird immer von demselben Autor, häufig in der Ich-Form, verfasst. Außerdem muss sie sich nicht auf ein aktuelles Thema beziehen.

Glosse – andere Bedeutungen 

Nicht immer ist mit der Glosse die satirische Textsorte gemeint. Das Wort hat nämlich auch zwei weitere Bedeutungen: 

Glosse als Erklärung eines Wortes 

Diese Bedeutung ist durch den Ursprung des Begriffes bedingt. Glosse bezeichnete im antiken Griechenland nämlich ein fremdartiges Wort. Im Lauf der Zeit kam es zu einer Bedeutungsverschiebung. Das heißt, Glosse stand nicht mehr für das Fremdwort selbst, sondern für dessen Erklärung.

Noch später wurde daraus das Glossar, das dir vermutlich auch heute noch bekannt ist. In Glossaren findest du immer die Auflistung aller schwierigen Wörter im dazugehörigen Text zusammen mit ihren Erklärungen.

Glosse als Gedichtform 

Des Weiteren wird mit dem Begriff Glosse auch eine spanische Gedichtform bezeichnet, die erst im 18. Jahrhundert Eingang in die deutsche Literatur fand.

Meist besteht die literarische Glosse aus vier Strophen mit jeweils zehn Versen. Das Besondere an diesen Gedichten ist, dass ihnen immer ein vierzeiliger Leitgedanke vorausgeht. Jeweils eine Zeile von diesem nehmen die Dichter in den Endzeilen der darauffolgenden Strophen wieder auf. 

Literarische Glosse – Beispiel:An Goethe“ von August von Platen (hier findest du das vollständige Gedicht)

Wenn du noch weitere Gedichtformen kennenlernen willst, dann ist unser Übersichtsvideo genau das Richtige für dich!

Zum Video: Gedichtformen
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