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Wie Kinder lesen lernen, welche Phasen sie dabei durchlaufen und wie du sie gezielt unterstützen kannst, erfährst du hier.

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Inhaltsübersicht

Wie lernen Kinder lesen?

Lesenlernen beginnt nicht erst mit dem ersten Lesebuch. Schon vorher entwickeln Kinder ein Gefühl für Sprache, Reime, Wörter und Laute. In der Grundschule lernen sie dann systematisch, gesprochene Laute mit Buchstaben zu verbinden und daraus Silben, Wörter und schließlich ganze Texte zu lesen.

Das passiert aber nicht von heute auf morgen. Zu Beginn kostet das Entschlüsseln einzelner Buchstaben viel Konzentration. Durch regelmäßiges Üben werden Wörter jedoch zunehmend automatisch erkannt. So kann sich das Kind immer stärker darauf konzentrieren, was ein Satz oder Text eigentlich bedeutet.

Warum ist Lesen so wichtig?

Lesen gehört zu den wichtigsten Grundlagen für schulisches und selbstständiges Lernen. Kinder benötigen Lesekompetenz nicht nur im Deutschunterricht, sondern auch für Sachaufgaben, Arbeitsanweisungen und Texte in nahezu allen anderen Fächern. Gleichzeitig erweitert Lesen den Wortschatz, fördert die Sprachentwicklung und ermöglicht Kindern, dass sie sich selbstständig Wissen erschließen.

Die verschiedenen Phasen beim Lesenlernen

Lesenlernen verläuft Schritt für Schritt. Dabei bauen verschiedene Fähigkeiten aufeinander auf. Die Übergänge sind fließend und nicht jedes Kind durchläuft sie im gleichen Tempo. Wichtig ist vor allem, neue Anforderungen nach und nach einzuführen und bereits Gelerntes regelmäßig zu wiederholen.

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Laute wahrnehmen und Buchstaben erkennen

Noch bevor Kinder Wörter lesen können, müssen sie lernen, Sprache genauer zu hören. Sie erkennen beispielsweise, dass Maus, Mond und Mama alle mit demselben Laut beginnen. Eltern und Lehrkräfte können solche Laute im Alltag oder Unterricht immer wieder aufgreifen und gemeinsam nach weiteren Wörtern mit demselben Anfangslaut suchen.

Dabei lernen Kinder auch, Vokale und Konsonanten bewusst voneinander zu unterscheiden. Vokale können lang ausgesprochen oder gesungen werden, zum Beispiel Aaaa, Eeee, Iiii, Oooo, Uuuu. Bei Konsonanten wird der Luftstrom beim Sprechen dagegen an verschiedenen Stellen im Mundraum eingeengt oder unterbrochen. Gerade durch bewusstes Vorsprechen, Nachsprechen und Vergleichen werden diese Unterschiede für Kinder hörbar.

Anschließend lernen sie, dass gesprochene Laute durch Buchstaben dargestellt werden.

➡️ Beispiel:

Der Laut /m/ wird beispielsweise mit dem Buchstaben M verschriftlicht.

Maus → /m/ → M

Dabei geht es nicht nur darum, die Form eines Buchstabens wiederzuerkennen. Kinder müssen gleichzeitig lernen, wie er aussieht und welcher Laut zu ihm gehört. Deshalb werden Buchstaben zu Beginn meist schrittweise eingeführt und immer wieder mit bekannten Wörtern und Lauten verknüpft — etwa indem Kinder den Buchstaben sehen, den Laut sprechen und passende Wörter dazu finden.

Laute zu Silben verbinden

Sind erste Buchstaben bekannt, beginnt einer der entscheidenden Schritte beim Lesenlernen: Kinder verbinden einzelne Laute miteinander.

Aus einem M und einem a entsteht nicht einfach eine Abfolge von zwei getrennten Lauten, sondern die Silbe:

M + a → Ma

Dieses sogenannte Zusammenschleifen fällt vielen Leseanfängern zunächst schwer. Eltern und Lehrkräfte können dabei unterstützen, indem sie die Laute zunächst langsam vorsprechen und dann immer enger zusammenziehen: Mmmm – aaaa → Ma.

Deshalb wird häufig mit kurzen und einfachen Silben wie ma, mi, la oder lo begonnen. Silben können gemeinsam gesprochen, gelesen oder auch geklatscht werden.

Silben bilden dabei eine hilfreiche Zwischenstufe. Statt ein längeres Wort Buchstabe für Buchstabe zu entschlüsseln, können Kinder es in kleinere Einheiten zerlegen.

➡️ Beispiel:

Ma + ma → Mama

Silben zu Wörtern zusammensetzen

Sobald bekannte Silben sicher gelesen werden, können Kinder daraus immer mehr Wörter bilden.

Am Anfang wird ein Wort häufig noch langsam entschlüsselt:

Lo – la → Lola

Du kannst diesen Prozess unterstützen, indem du kurze, bekannte Wörter regelmäßig wiederholst. Die Kinder lesen die einzelnen Silben zunächst bewusst und verbinden sie anschließend zu einem ganzen Wort.

Mit jeder Wiederholung wird dieser Vorgang schneller. Häufig gelesene Silben und Wörter werden nach und nach abgespeichert und müssen nicht jedes Mal vollständig neu zusammengesetzt werden. Dadurch entwickelt sich ein wachsender Sichtwortschatz: Wörter wie „und“, „die“, „Mama“ oder „ist“ werden irgendwann nahezu auf einen Blick erkannt.

Wörter, Sätze und Texte flüssig lesen

Im nächsten Schritt lernen Kinder, mehrere Wörter miteinander zu verbinden, Satzzeichen zu beachten und Sätze zunehmend flüssig zu lesen.

Dabei hilft vor allem regelmäßiges Lesen. Je automatischer die Worterkennung funktioniert, desto weniger Aufmerksamkeit wird für das reine Entschlüsseln benötigt. Dadurch entstehen freie Kapazitäten für das eigentliche Ziel des Lesens: den Inhalt verstehen.

👀 Leseflüssigkeit: Wörter und Sätze sicher, zunehmend flüssig und sinngemäß lesen.
💭 Textverständnis: Informationen aus dem Gelesenen entnehmen, Zusammenhänge erkennen und verstehen, was ein Text aussagen möchte.

Ein Kind kann einen Text bereits relativ flüssig vorlesen und trotzdem noch Schwierigkeiten haben, Fragen zum Inhalt zu beantworten. Deshalb solltest du Leseflüssigkeit und Textverständnis immer gemeinsam fördern — etwa indem ihr nach dem Lesen über den Text sprecht, Fragen dazu stellt oder das Kind mit eigenen Worten erzählen lässt, worum es ging.

Schwierigkeiten beim Lesen und Tipps, die helfen

Dass Kinder beim Lesenlernen an unterschiedlichen Stellen Schwierigkeiten haben, ist normal. Wichtig ist, herauszufinden, welcher Schritt noch nicht sicher funktioniert — und genau dort kannst du als Lehrperson oder Elternteil ansetzen.

  • Das Kind liest sehr langsam oder stockend.
    → 💡 Tipp: Lass kurze Wörter, Sätze oder Texte mehrmals lesen. Durch Wiederholungen werden bekannte Wörter zunehmend automatisiert. Kurze, regelmäßige Lesezeiten eignen sich dabei besser als lange und anstrengende Übungseinheiten.
  • Buchstaben werden häufig verwechselt.
    → 💡 Tipp: Stelle ähnliche Buchstaben wie b und d oder p und q gezielt gegenüber. Das Kind kann die Buchstaben anschauen, aussprechen, schreiben, nachspuren oder beispielsweise aus Bausteinen legen. Unterschiedliche Zugänge können helfen, das Buchstabenbild sicherer abzuspeichern.
  • Das Verbinden einzelner Laute fällt schwer.
    → 💡 Tipp: Beginne mit einfachen Silben wie ma, mi, la oder lo. Sprich die einzelnen Laute zunächst langsam vor und ziehe sie anschließend immer enger zusammen. Erst danach sollten längere Silben und Wörter folgen.
  • Das Kind liest Wörter häufig nur durch Raten.
    → 💡 Tipp: Verringere zunächst das Lesetempo. Achte darauf, dass das Kind das gesamte Wort betrachtet und nicht nur anhand des ersten Buchstabens oder des Satzzusammenhangs weiterliest.
  • Das Kind kann lesen, versteht den Text aber kaum.
    → 💡 Tipp: Lest zunächst kurze Abschnitte und sprecht danach darüber. Fragen wie „Wer kommt vor?“, „Was ist passiert?“ oder „Warum passiert das?“ helfen dabei, die Aufmerksamkeit stärker auf den Inhalt zu lenken.
  • Das Kind verliert schnell die Motivation.
    → 💡 Tipp: Nutze Themen und Medien, die das Kind wirklich interessieren. Neben Erstlesebüchern eignen sich beispielsweise Comics, Zeitschriften, Sachtexte oder digitale Angebote. Auch Lieblingsfiguren oder bekannte Themen können einen zusätzlichen Leseanreiz schaffen.

Wichtig: Selbst wenn Kinder bereits erste Texte eigenständig lesen, bleibt Vorlesen wertvoll. Die Geschichten, die sie verstehen können, sind häufig schon wesentlich komplexer als die Texte, die sie selbst lesen können. Beim Vorlesen lernen sie neue Wörter kennen und erleben weiterhin spannende Geschichten. Eine gute Übergangslösung ist gemeinsames Lesen: Du übernimmst schwierigere Abschnitte und das Kind liest einzelne Sätze oder kurze Passagen selbst.

Ideen zum Lesenlernen

Lesen lässt sich mit vielen kurzen Übungen fördern. Dabei kannst du mit dem Kind unterschiedliche Fähigkeiten trainieren.

Übung  So funktioniert sie
🔤 Anlaute erkennen Suche Wörter oder Bilder mit demselben Anfangslaut: Maus, Mond und Mama beginnen beispielsweise mit M.
👏 Silben klatschen Wörter werden hörbar in Silben zerlegt und passend dazu geklatscht: Ba-na-ne oder Scho-ko-la-de.
🧩 Wörter zusammensetzen Einzelne Buchstaben oder Silben werden zu einem vollständigen Wort verbunden, etwa Ma + ma = Mama.
⚡ Blitzlesen Bekannte Wörter werden nur für kurze Zeit gezeigt und sollen möglichst direkt erkannt werden.
🔁 Wiederholtes Lesen Ein kurzer Text wird mehrfach gelesen. Dadurch können Wörter zunehmend automatisiert erkannt und flüssiger gelesen werden.
👥 Lesetandem Ein sicherer Leser und ein Leseanfänger lesen einen Text gemeinsam oder abwechselnd.
❓ Lesen und Fragen beantworten Nach einem kurzen Abschnitt beantwortet das Kind Fragen zum Inhalt oder erzählt mit eigenen Worten, was passiert ist.
🖼️ Wort und Bild zuordnen Wörter werden passenden Bildern zugeordnet. So werden Worterkennung und Bedeutungsverständnis miteinander verbunden.

Tipp: Nicht jede Leseübung muss wie eine Schulaufgabe aussehen. Auch Straßenschilder, Einkaufslisten, Rezepte, Speisekarten, Spielanleitungen oder Verpackungen bieten kleine Leseanlässe. Du kannst das Kind beispielsweise nach bekannten Buchstaben suchen oder einzelne Wörter selbst lesen lassen. Dadurch erlebt es, dass Lesen nicht nur eine schulische Aufgabe ist, sondern im Alltag einen konkreten Zweck erfüllt.

Lesenlernen verstehen

Lesen lernen Kinder Schritt für Schritt und das gehört zu den wichtigsten Grundlagen im Deutschunterricht der Grundschule. Wer sich mit dem Lesenlernen beschäftigt, schaut auf Laute, Buchstaben, Silben, Wörter und erste Texte. So wird klar, wie Leseflüssigkeit und Textverständnis zusammenhängen und an welchen Stellen Kinder gezielt Unterstützung brauchen. Im Deutschbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.

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