Wie Lesetandems funktionieren und wie du die Methode einfach im Unterricht einsetzt, erfährst du hier.
Inhaltsübersicht
Was ist ein Lesetandem?
Beim Lesetandem lesen zwei Kinder gemeinsam einen Text halblaut vor: ein sicher lesendes Kind als Trainer und ein Kind mit Unterstützungsbedarf als Sportler. Der Trainer zeigt dabei den Text mit dem Finger mit und hilft, wenn ein Fehler passiert. Wird der Sportler sicherer, kann er ein Zeichen geben und alleine weiterlesen.
Das Verfahren gehört zu den Lautleseverfahren und ist wissenschaftlich gut erforscht. Es hilft dabei Leseflüssigkeit, Lesetempo und Textverständnis zu verbessern.
Besonders gut eignet sich das Lesetandem für den Deutsch- und Deutsch als Zweitsprache-Unterricht (DaZ), etwa von Klasse 2 bis 8. Eine Übungsphase dauert meistens 15 bis 20 Minuten. Am besten wird dreimal pro Woche in kurzen Trainingsblöcken geübt.
Wie funktionieren Lesetandems?
Damit Lesetandems im Unterricht gut funktionieren, kommt es vor allem auf vier Dinge an: passende Texte, sinnvoll zusammengesetzte Teams, einen klaren Leseablauf und eine kurze Nachbearbeitung mit Feedback. Schauen wir uns diese Schritte jetzt genauer an!
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Textauswahl
Wähle Texte aus, die zum Sprachniveau und zu den Interessen deiner Klasse passen. Für den Einstieg eignen sich kurze Texte mit etwa 200 bis 300 Wörtern.
Für Kinder mit großen Leseschwierigkeiten, zum Beispiel bei LRS oder Legasthenie, sind vertraute Themen und ein überwiegend bekannter Wortschatz besonders wichtig. Die Sätze sollten kurz sein und möglichst wenige Stolperstellen enthalten, etwa seltene Buchstabenkombinationen oder Konsonantenhäufungen. Achte außerdem auf ein lesefreundliches Layout (Absätze und Sinnabschnitte, Schriftgröße 12 oder 14, gut lesbare Schrift, ausreichend Zeilenabstand).
Wenn die Kinder sicherer lesen, kannst du die Texte nach und nach etwas anspruchsvoller auswählen.
Teams bilden
Ein Lesetandem besteht aus zwei Kindern mit unterschiedlicher Leseflüssigkeit. Das lesestärkere Kind übernimmt die Rolle des Trainers, das leseschwächere Kind ist Lesesportler.
Damit die Teams gut zusammenarbeiten können, sollte der Unterschied im Lesen nicht zu groß sein. Sonst kann es für beide Seiten schnell frustrierend werden. Sinnvoll ist es zum Beispiel, das stärkste Coach-Kind mit dem stärksten Sportler-Kind zu verbinden und dann der Reihe nach weiterzugehen.
Lade dir hier die zwei Schilder zum Ausdrucken herunter.
Wichtig ist auch, die Rollen vorher klar zu besprechen:
- Der Trainer liest mit, hilft freundlich bei Fehlern und lobt Fortschritte.
- Der Lesesportler nimmt Hilfe an, versucht Fehler selbst zu verbessern und gibt Bescheid, wenn allein gelesen werden kann.
Tipp: Besprich mit deiner Klasse, wie gutes Feedback formuliert wird. Ein kleines Klassenplakat mit Feedback-Sätzen kann dabei helfen.
Lesevorgang
Beide Kinder lesen den Text gemeinsam halblaut. Der Coach passt sich dem Tempo des Lesesportlers an und fährt mit dem Finger im Text mit. Bei einem Lesefehler wird kurz gestoppt. Das Kind bekommt zuerst Zeit, den Fehler selbst zu verbessern. Klappt das nicht, hilft der Coach freundlich weiter. Danach geht es im Text weiter.
Nach dem ersten Durchgang sprechen die Kinder kurz über den Inhalt:
- Was ist passiert?
- Gab es unbekannte Wörter?
- Waren Betonung, Aussprache oder einzelne Stellen noch schwierig?
Anschließend wird der Text mehrmals gelesen. Üblich sind etwa vier Durchgänge. Wird der Lesesportler sicherer, kann ein vereinbartes Zeichen gegeben werden. Dann liest das Kind allein weiter, während der Coach weiter mitzeigt und bei Bedarf unterstützt.
Zum Schluss gibt der Trainer eine kurze Rückmeldung und lobt konkrete Fortschritte. Die Kinder können außerdem schwierige Wörter markieren, um zu sehen, ob sie beim nächsten Durchgang leichter fallen.
Kinder, die weniger als 100 Wörter pro Minute lesen, haben oft Schwierigkeiten, den Inhalt eines Textes zu verstehen. Der Grund: Sie brauchen noch sehr viel Aufmerksamkeit für das Erkennen, Entschlüsseln und Aussprechen einzelner Wörter.
Für diese Kinder sind kurze, sprachlich einfache Texte besonders wichtig. Eine gute Vorbereitung kann auch das gemeinsame Üben häufig vorkommender Wörter sein: Beim Blitzlesen werden Wörter nur ganz kurz gezeigt und sollen möglichst schnell erkannt und gelesen werden.
Nachbereitung und Feedback
Während der Lesephase fungierst du als Ansprechperson. Die Tandems klären vieles selbst, aber bei offenen Fragen zu Wörtern, Aussprache oder zum Ablauf kannst du unterstützen.
Nach der Einheit ist Zeit für eine kurze Rückmeldung:
- Was hat gut funktioniert?
- Wo gab es Schwierigkeiten?
- Welche Tipps helfen beim nächsten Mal?
Am Ende eines Trainingsblocks kannst du die Fortschritte zum Beispiel mit einem kurzen Lesetest sichtbar machen. Die Kinder lesen eine Minute lang laut vor, danach wird geschaut, wie viele Wörter flüssig und verständlich gelesen wurden. So erhalten sie eine konkrete Rückmeldung zu ihrer Entwicklung.
Bei Bedarf kannst du die Tandems danach neu zusammensetzen. Kinder, die sicherer geworden sind, können später auch selbst die Coach-Rolle übernehmen.
Welche Vorteile bieten Lesetandems?
Lesetandems fördern nicht nur das laute Lesen, sondern auch das gemeinsame Arbeiten am Text. Die größten Vorteile der Methode sind:
1. Leseflüssigkeit: Die Kinder trainieren Lesetempo, Genauigkeit und Betonung. Durch das wiederholte Lesen werden sie sicherer und lesen mit mehr Selbstvertrauen.
2. Leseverständnis: Wenn Kinder flüssiger lesen, können sie sich besser auf den Inhalt konzentrieren. Zusätzlich klären sie Wörter, besprechen Fragen und verstehen Texte genauer.
3. Aktive Beteiligung: Beide Kinder sind aktiv dabei: Sie lesen, hören zu, verbessern, fragen nach und sprechen über den Text.
4. Zusammenarbeit: Die Kinder üben, sich gegenseitig zu unterstützen, Feedback zu geben und als Team zu arbeiten.
5. Motivation: Schnelle Fortschritte machen Mut. Die Kinder merken, dass Übung hilft, und bleiben eher dran.
Texte für Lesetandems zum Herunterladen
Damit du mit deiner Klasse direkt loslegen kannst, findest du hier passende Texte zum Herunterladen.
Leseförderung verstehen
Das Lesetandem ist eine bekannte Methode der Leseförderung im Unterricht. Wer sich mit Leseförderung beschäftigt, schaut auf Übungen, Texte und Lernwege, die Kinder beim Lesen sicherer machen. So wird klar, wie Leseflüssigkeit, Tempo und Textverständnis zusammenhängen. Im Allgemeinwissensbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.