Textarten Deutsch

Was ist eigentlich eine textgebundene Erörterung? In unserem Beitrag erklären wir dir, was du beim Schreiben einer textgebundenen Erörterung beachten musst.

Wenn du noch anschaulicher lernen willst, dann schau dir einfach unser Video zur textgebundenen Erörterung an!

Inhaltsübersicht

Was ist eine textgebundene Erörterung?

Die textgebundene Erörterung ist eine Spezialform der Erörterung. Anders als bei der freien Erörterung stützt du dich bei der textgebundenen Erörterung auf einen vorgegebenen Text.

Das Besondere bei der textgebundenen Erörterung ist, dass du hier nicht nur deine eigenen Argumente nutzt. Zuerst analysierst du die Argumentation eines beigefügten Textes. In der Regel ist das ein Zeitungsartikel oder allgemein ein Sachtext.

Im ersten Teil deiner textgebundenen Erörterung gibst du also die Argumentation des Autors wieder. Im zweiten Teil nimmst du dann Stellung zum Text und ergänzt sinnvolle Argumente und Beispiele.

Wie schreibt man eine textgebundene Erörterung?

Unsere Checkliste zeigt dir, wie du bei der Vorbereitung deiner textgebundenen Erörterung vorgehst.

  1. Text sorgfältig lesen
  2. Argumentation des Textes herausarbeiten
  3. Stellung zum Text beziehen
  4. Gliederung schreiben

Wenn du noch mehr allgemeine Informationen zur Erörterung suchst, schau dir zuerst noch unser Video dazu an! 

Erörterung schreiben, Erörterung
Zum Video: Erörterung schreiben

Text sorgfältig lesen

Wie bei anderen textgestützten Aufsatzformen liest du dir den Text als erstes gründlich durch. Im ersten Lesedurchgang stellst du sicher, dass du den Text verstanden hast. Im zweiten und dritten Durchgang markierst du dir mit bunten Textmarkern die wichtigen Stellen und Schlüsselbegriffe. So fällt es dir leichter, die Struktur des Textes zu erkennen. 

Argumentation des Textes herausarbeiten

Als nächstes geht es darum, die Argumentationsstruktur im Sachtext herauszuarbeiten. Mit unterschiedlichen Farben kannst du dir Behauptungen, Begründungen und Beispiele im Text anstreichen. Dazu machst du dir Notizen mit den entsprechenden Zeilenangaben auf einem Blatt Papier.

Stellung zum Text beziehen

Als nächstes überlegst du dir, welche Position du zum Artikel vertrittst. Dafür gibt es drei Möglichkeiten: Du kannst entweder mit der Meinung des Autors übereinstimmen, ihr teilweise zustimmen oder ihr widersprechen. Wenn du die Meinung des Autors teilst, suchst du nun nach weiteren Argumenten und Beispielen, die diese Meinung stützen.

Falls du aber eine andere Meinung vertrittst, sammelst du Gegenargumente und Beispiele dafür. In einer Tabelle kannst du übersichtlich die Pro- und Contra-Argumente mit entsprechenden Beispielen auflisten. Für den Fall, dass du der Meinung nur teilweise zustimmst, suchst du sowohl weitere Pro- als auch Contra-Argumente.

Gliederung schreiben

Bevor du mit dem Schreiben deiner textgebundenen Erörterung beginnst, legst du eine Gliederung an. Damit stellst du sicher, dass dein Aufsatz auch einem roten Faden folgt. Wie die meisten Aufsätze ist auch die textgebundene Erörterung in Einleitung, Hauptteil und Schluss gegliedert:

  1. Einleitung: Hinführung zum Thema, knappe Informationen zum Text
  2. Hauptteil
    2.1 Wiedergabe des Textes
    2.2 Argumentationsstruktur des Textes
            2.2.1 erstes Argument mit Beispiel aus dem Text
            2.2.2 zweites Argument mit Beispiel aus dem Text
            2.2.3 …
    2.3 Eigene Position
            2.3.1 erstes eigenes Argument mit Beispiel
            2.3.2 zweites eigenes Argument mit Beispiel
            2.3.3 …
  3. Schluss: Fazit, persönliche Stellungnahme

Textgebundene Erörterung – Einleitung

Mit deiner Einleitung weckst du das Interesse des Lesers und führst zum Hauptteil deiner Argumentation hin. Daher gilt: Verwende keine langweiligen Einleitungssätze wie In dieser Erörterung geht es um … .

Als Aufhänger für deine Erörterung kannst du zum Beispiel einen Bezug zu einem aktuellen Ereignis herstellen.

In deiner Einleitung gehst du außerdem knapp auf deine Textgrundlage ein. Dabei nennst du:

  • Autor des Textes
  • Titel
  • Thema
  • Erscheinungsort und -datum
  • Textsorte
  • Absicht bzw. Anlass der Veröffentlichung: z. B. aktuelles Ereignis

Wichtig: Eine komplette Inhaltszusammenfassung gehört nicht in deine Einleitung. Du nennst zwar das Thema des Textes. Eine knappe Wiedergabe des Textes ist aber erst im Hauptteil vorgesehen! 

Textgebundene Erörterung – Hauptteil

Der Hauptteil deiner textgebundenen Erörterung besteht aus drei Teilen:

  • der Wiedergabe des Textes,
  • der Argumentationsstruktur des Textes und
  • deiner eigenen Position.

Das bedeutet, dass die ersten beiden Teile sich auf deine Textgrundlage beziehen. Erst im dritten Teil beziehst du selbst Stellung zum Thema. 

Wiedergabe des Textes

Damit dein Leser eine genaue Vorstellung vom Text bekommt, fasst du ihn knapp in Sinnabschnitten zusammen. Dafür verwendest du Zeilenangaben und gibst die Hauptgedanken des Textes in eigenen Worten wieder. Achte hier auf eine abwechslungsreiche Sprache:

  • Der Autor geht zunächst auf … ein und befasst sich im nächsten Abschnitt mit …
  • Er argumentiert/kritisiert dabei insbesondere …
  • Während er in … die Vorteile/Chancen … aufzeigt, … beleuchtet er danach die Nachteile/Risiken…

Wichtig: Eine textgebundene Erörterung ist keine Sachtextanalyse . Zwar analysierst du in der textgebundenen Erörterung ebenso Inhalt und Aufbau eines Sachtextes. Aber eine detaillierte sprachliche Analyse findet hier nicht statt!

Argumentationsstruktur des Textes

Anschließend arbeitest du die Argumentationsstruktur des Textes heraus. Dazu fasst du zuerst die zentrale These des Artikels zusammen. Danach gehst du ausführlich auf die Argumente mit den Beispielen aus dem Text ein. 

Zwar ist deine eigene Meinung erst im dritten Teil des Hauptteils gefordert. Aber du kannst bereits hier andeuten, welche Argumente besonders stark oder schwach auf dich wirken. Das kannst du sehr gut als Überleitung zum nächsten Teil deiner Erörterung verwenden: 

Insgesamt erscheinen mir die Argumente des Autors sehr schwach. Deshalb möchte ich nun die Gegenseite des Themas beleuchten. Denn ich bin der Meinung, ...

Eigene Position

Damit stellst du deine persönliche Meinung ganz deutlich dar. Diesen Teil deiner Argumentation nennst du auch kritische Stellungnahme. Es gibt drei Möglichkeiten, wie du den vorliegenden Text bewerten kannst: Du kannst ihm ganz, nur teilweise oder gar nicht zustimmen. Danach richtet sich auch das Vorgehen bei deiner Argumentation:

1. Möglichkeit: der Argumentation des Autors zustimmen

Hier gehst du ausführlich darauf ein, welche Argumente und Beispiele des Autors für dich überzeugend sind. Sind seine Beispiele besonders anschaulich oder durch wissenschaftliche Fakten belegt?

Für diesen Teil deiner Argumentation solltest du unbedingt die verschiedenen Argumenttypen nennen. Mehr Informationen dazu findest du im entsprechenden Kapitel weiter unten. Wichtig ist außerdem, nun auch eigene Argumente und Beispiele anzuführen, die deine Meinung (und damit auch die des Autors) stützen.

2. Möglichkeit: der Argumentation des Autors widersprechen

Falls du der Meinung des Autors widersprichst, überlegst du dir, wie du seine Argumente entkräften kannst. Sind einige seiner Beispiele nicht nachvollziehbar oder wissenschaftlich nicht belegt? Gibt es logische Fehler in der Argumentation?

Darauf solltest du unbedingt in deiner Argumentation eingehen. Außerdem führst du nun auch starke Gegenargumente an, die den Leser von deiner Meinung überzeugen sollen.

3. Möglichkeit: der Argumentation des Autors teilweise zustimmen

Häufig wirst du nicht grundsätzlich der Meinung des Autors zustimmen oder widersprechen können. Für diesen Fall machst du deutlich, worin du dem Autor zustimmst und worin nicht.

Auch hier argumentierst du, welche Begründungen und Beispiele des Autors nachvollziehbar sind. Genauso gehst du bei Argumenten vor, die du persönlich nicht unterstützt: Du erklärst also, weshalb dich bestimmte Argumente nicht überzeugen. Im Anschluss führst du für beide Seiten eigene Argumente mit Beispielen aus.

Textgebundene Erörterung – Schluss

In deinem Fazit fasst du noch einmal knapp die Ergebnisse deiner Argumentation zusammen. Aus den angeführten Argumenten ziehst du deinen Schluss und nimmst klar zum Thema Stellung.

Du bewertest außerdem kritisch den Text des Autors: Dafür nutzt du die Beobachtungen zur Argumentationsstruktur des Textes: Argumentiert der Autor überzeugend? Vergisst er einen logischen Schritt in der Argumentation? Vernachlässigt er wichtige Argumente oder verwendet falsche Beispiele?

Zum Schluss rundest du deinen Text mit einem kurzen Ausblick auf die Zukunft ab. Ein Aufruf an den Leser oder ein Lösungsvorschlag für ein strittiges Thema sind auch möglich.

Argumenttypen

Argumenttyp

Erklärung

Beispiel

Autoritätsargument

Argument, das sich auf die Aussage eines/mehrerer Experten stützt

Der Bundestag hat im Vorjahr ein neues Gesetz verabschiedet. Dieses ist jetzt deutschlandweit gültig.

Faktenargument

Argument, das wissenschaftlich bewiesene Fakten zur Begründung heranzieht

Wie eine Studie des Bunds für Naturschutz beweist, ist im Jahr 2020 der CO2-Ausstoß in Deutschland stark gesunken.

Logisches Argument

Argument, das auf einer logischen Schlussfolgerung aufbaut

Die verstärkte Nutzung von digitalen Medien steht im direkten Zusammenhang mit schlechter körperlicher Fitness. Deswegen sollten Kinder regelmäßig Handy und Laptop zur Seite legen und sich an der frischen Luft bewegen.

Normatives Argument

Argument, das sich auf anerkannte, verbindliche Regeln – also Normen – beruft

Alle Kinder sollten in der Bildung gleiche Chancen haben. Um das zu ermöglichen, brauchen wir eine persönlichere Betreuung in der Schule.

Indirektes Argument

Argument, das durch die Widerlegung der Gegenseite bekräftigend wirkt

Das Homeoffice hat sich nicht negativ auf die Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit der Mitarbeiter ausgewirkt. Die Option für Homeoffice-Tage sollte demnach beibehalten werden.

Analogisierendes Argument

Argument, das auf dem Vergleich mit einem ähnlichen Bereich – also einer Analogie – basiert

Für das Lernen neuer Sprachen gilt: Übung macht den Meister. Das gleiche gilt auch für das Erlernen eines Instruments. 

Textgebundene Erörterung – Tipps

Zum Schluss haben wir noch ein paar wichtige Tipps für dich zusammengestellt: 

  • Trenne in deiner Argumentation klar zwischen deiner eigenen Meinung und der Position des Autors! Das erreichst du zum Beispiel mit Formulierungen wie Nach Meinung des Autors … und mit dem Konjunktiv, z. B. Das lasse sich nicht umsetzen.
  • Benutze Zitate und Zeilenangaben, wenn du dich auf den Text beziehst!
  • Vergiss vor der Abgabe nicht, noch Korrektur zu lesen. Überprüfe dazu noch einmal gründlich deinen Aufsatz auf Rechtschreibung und Zeichensetzung.

Du suchst nach einem konkreten Beispiel für eine Erörterung? Dann schau dir einfach diesen Beitrag  an!

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Zum Video: Erörterung Beispiel

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