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Argumentative Texte
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Jetzt wird es praktisch! In diesem Beitrag zeigen wir dir die wichtigsten Elemente eines Essays direkt an einem Beispiel.

Der Artikel ist dir nicht anschaulich genug? Dann schau dir gleich unser Video zum Essay Beispiel an und lass dir alles Wichtige in nur wenigen Minuten erklären!

Der perfekte Essay – Ein Überblick 

Ein Essay ist nur an wenige strenge Vorgaben gebunden. Dennoch muss er ein paar Elemente unbedingt enthalten: 

  • Einen persönlichen Einblick in die Gedanken des Verfassers
  • Kreative, rhetorische und sogar provokative sprachliche Aspekte 
  • Einen dreiteiligen Aufbau aus Einleitung, Hauptteil und Schluss
    • Eine zentrale These oder Fragestellung in der Einleitung
    • Argumente und Gegenargumente im Hauptteil
    • Den deutlichen Standpunkt des Autors am Schluss 

Wie genau das in der Praxis aussehen kann, zeigen wir dir im Folgenden an unserem Essay Beispiel zum Thema „Lust am Lesen“. 

Wenn du noch nicht weißt, was ein Essay eigentlich ist und wie er aufgebaut wird, dann schau zuerst unser Video zum Essay schreiben an. Dort findest du alle wichtigen Infos zum Essay.

Essay Beispiel – Der Essay als ein Gedankenspaziergang

Der Essay wird häufig als ein Gedankenspaziergang beschrieben. Das heißt: Statt einfach die Ideen anderer Autoren zu zitieren, stellst du deine eigenen Gedanken zu einem Thema vor. Sieh dir den Unterschied in unserem Beispiel an: 

Falsch: Laut einer Studie des Goethe-Instituts lesen Menschen heute deutlich weniger als noch vor ein paar Jahren. Der Rückgang von Lesern liegt laut der Epoch Times vor allem bei  jugendlichen Lesern an dem Aufschwung der digitalen Medien. In dem Zusammenhang warnt Professorin Jean Twenge vor einem Aussterben der Bücher und dessen Folgen für das Leseverständnis von Jugendlichen. 

In diesem Beispiel stehen die Erkenntnisse anderer Autoren klar im Vordergrund. Die persönlichen Gedanken des Essay-Schreibers sind hingegen nicht zu erkennen. Damit verfehlt der Essay seinen Zweck, einen persönlichen Blickwinkel auf das Thema „Lust am Lesen“ zu offenbaren.

Richtig: Die Lust am Lesen scheint in den letzten Jahren deutlich abgenommen zu haben. Aufmerksame Beobachter von gesellschaftlichen Entwicklungen führen diese Veränderung leicht auf den Anstieg digitaler Medien zurück. Die Folgen davon sind besonders an Schulen deutlich zu spüren: Rechtschreibung und Grammatik sind immer häufiger ein Problem im Deutschunterricht. Schreitet diese Entwicklung weiter voran, wird nicht nur das Sprachverständnis der Deutschen darunter leiden.

Statt ausschließlich andere Autoren zu zitieren, stützt sich der Autor in diesem Beispiel auf eigene, allgemeine Beobachtungen. Das Besondere: Ohne dabei die Ich-Form („Ich denke, dass …“, „Meiner Meinung nach …“) zu verwenden, macht der Autor seine persönlichen Ansichten deutlich. Aktivformen wie „führen auf … zurück“, „sind ein Problem“ und „wird darunter leiden“ machen das möglich.

Essay Beispiel – Interesse wecken mit der richtigen Einleitung 

Deine Einleitung weckt die Aufmerksamkeit des Lesers. Sie ist sozusagen das Appetithäppchen, das dem Leser Lust aufs Weiterlesen machen soll. 

Deswegen ist so eine standardmäßige Einleitung in einem Essay fehl am Platz: 

Falsch: In der Vergangenheit haben Jugendliche mehr gelesen als heute. Das hat verschiedene Gründe und Konsequenzen. Diese sollen in diesem Essay reflektiert werden.

Diese Essay Einleitung präsentiert eine einfache Tatsache, ohne deutlich zu machen, warum sie relevant ist und die Aufmerksamkeit des Lesers verdient. 

Versuche stattdessen, den Leser mit einem spannenden Fakt, einem beeindruckendem Zitat oder einer persönlichen Anekdote zu begeistern.  

Richtig: „Wer nicht liest, kennt die Welt nicht.“ So hat der Schriftsteller Arno Schmidt es vor rund einem halben Jahrhundert formuliert. Heute ist seine Beobachtung wohl bedeutsamer als je zuvor. Denn immer mehr Menschen, vor allem Jugendliche, verlieren die Lust am Lesen – mit schwerwiegenden Folgen! 

In diesem Beispiel verwendet der Autor nicht nur ein aussagekräftiges Zitat, sondern stellt auch dessen Bezug zur Gegenwart her. Mit der am Satzende eingeschobenen Emphase (Betonung) betont er außerdem die Relevanz des Themas.

Essay Beispiel – zentrale These in der Einleitung 

Doch das ist noch nicht alles. Die Einleitung muss außerdem einen klaren Leitgedanken oder eine Leitfrage beinhalten. Dadurch wird deutlich, womit sich der Autor in seinem Essay beschäftigt.

Falsch: In diesem Essay werde ich mich mit den Konsequenzen der abnehmenden Leselust junger Menschen befassen.

Diese These ist nicht nur langweilig formuliert, sondern enthält auch die Ich-Form. Während du in der Einleitung eine persönliche Anekdote einbringen darfst, solltest du bei der Formulierung deiner These oder Leitfrage auf die Ich-Form verzichten. 

Richtig: Dass Lesen bei jungen Menschen tendenziell wenig beliebt ist, ist mir durch eine Umfrage unter meinen Mitschülern deutlich bewusst geworden. Kaum einer von ihnen nimmt in seiner Freizeit noch freiwillig ein Buch in die Hand. Dabei sind die Folgen einer sinkenden Lust am Lesen für Jugendliche enorm

In diesem Beispiel stellt die persönliche Anekdote geschickt einen aktuellen und interessanten Bezug zum Thema her. Die darauffolgende These ist aber allgemeingültig formuliert. Dadurch macht der Autor deutlich, dass es sich nicht nur um ein spezielles Problem in seiner Klasse handelt, sondern um ein generelles.

Essay Beispiel – Langeweile und Umgangssprache, nein danke!

Das wohl wichtigste Element eines guten Essays ist ein aufregender Sprachstil. Im Essay kannst du deine kreative Ader unter Beweis stellen. Das Motto lautet: Je kreativer, desto besser. Schaue dir dazu die Unterschiede in unseren Beispielen an: 

Falsch: Vor allem Jugendliche haben heutzutage wenig Interesse an Büchern. Sie beschäftigen sich lieber mit Videospielen, Fernsehsendungen oder Social-Media-Platformen wie Instagram, TikTok und Youtube. Es wäre interessant zu ergründen, warum das der Fall ist. 

Dieses Beispiel ist lang-wei-lig. Der Autor zählt eine Reihe trockener Tatsachen auf, ohne sie dabei auf irgendeine Weise spannend zu gestalten. Im Gegenteil: Hauptsatz wird einfach an Hauptsatz gereiht. Zudem drückt der Konjunktiv im letzten Satz Unsicherheit aus und ist daher alles andere als überzeugend.

Ebenso falsch ist folgendes Beispiel: 

Falsch: Jugendliche haben keinen Bock mehr zu lesen – das ist einfach nicht ihr Ding. Zocken, chatten, streamen ist halt cooler, als sich durch verstaubte Bücher zu quälen.

Dieses Beispiel ist vielleicht nicht so trocken wie das erste, aber immer noch nicht gelungen. Denn: Der Autor verwendet Umgangssprache. Ausdrücke wie „kein Bock“ oder „kapiert?“ benutzt du vielleicht, wenn du mit deinen Freunden sprichst. Doch in einem Essay haben sie nichts zu suchen!

Essay Beispiel – Stilmittel richtig verwenden

Verwende Stilmittel , wie zum Beispiel Wortspiele, rhetorische Fragen , Metaphern oder sogar Neologismen , um deinen Essay aufzulockern und dafür zu sorgen, dass andere Spaß beim Lesen haben. Aber übertreibe es nicht! Zu viel des Guten wirkt oft verwirrend oder sogar abschreckend.

Richtig: Besonders unter Jugendlichen zählen Leseratten und Bücherwürmer zunehmend zu den bedrohten Arten. Während Lesen noch vor einigen Jahren eine beliebte Freizeitbeschäftigung war, haben die Vorzüge des Internets inzwischen überhandgenommen. Doch welche Auswirkungen hat das?

Dieses Beispiel enthält als Stilmittel eine Metapher und eine rhetorische Frage. Spielerisch und ohne dabei zu übertreiben, macht der Autor so seine Aussagen lebendiger. Durch das Bild der Metapher und die direkte Ansprache mit der rhetorischen Frage regt der Autor den Leser ganz leicht zum Nach- und Mitdenken an. 

Essay Beispiel – überzeugende Gedanken im Hauptteil 

Im Hauptteil deines Essays kommen Argumente und mögliche Gegenargumente ins Spiel. Jedes Argument belegst du durch ein Beispiel. Das kann neben einem Bezug auf Fachwissen oder Zusatzmaterial auch einfach eine Beobachtung oder Erfahrung sein. 

Falsch: Lesen ist wichtig für die emotionale Entwicklung von Jugendlichen. Außerdem stärken Kinder und Jugendliche durch Lesen ihr Sprachgefühl. Wenn Eltern ihren Kindern zum Beispiel vorlesen, können sie schon frühzeitig dabei helfen, die Lesekompetenz ihres Kindes zu verbessern. 

In diesem Beispiel läuft einiges schief. Der Autor nennt ein Argument, ohne es durch ein Beispiel oder einen Beleg zu bestärken. So bleibt es eine wenig überzeugende Behauptung. Zum zweiten Argument führt der Autor zwar ein Beispiel auf. Doch es hat keinen relevanten Bezug zum Argument. Denn die Lesekompetenz ist etwas anderes als das Sprachgefühl eines Kindes. Daher ist das Beispiel unpassend und wirkt eher verwirrend als überzeugend.

Achte also auf die drei Bs: Behauptung, Begründung, Beleg. Schau es dir im nächsten Beispiel an: 

Richtig: Lesen ist wichtig für die emotionale Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Denn dabei lernen sie, sich mit unterschiedlichen Gefühlen, Beziehungen und Konflikten auseinanderzusetzen. Lesen Kinder zum Beispiel in der Harry Potter-Reihe von einem Streit zwischen Hermine und Ron, lernen sie, sich in die jeweilige Lage der beiden hineinzuversetzen und sie zu verstehen. 

In diesem Beispiel führt der Autor ein Argument an und erklärt es direkt im Anschluss. Er sagt also nicht nur wie etwas ist, sondern auch warum: Lesen ist wichtig, weil … ! Außerdem bestärkt der Autor seine Behauptung durch ein passendes Beispiel. 

Essay Beispiel – zum Schluss ein Blick in die Zukunft 

Statt deine Gedanken/Argumente im Schluss lediglich zusammenzufassen, eröffnest du einen Lösungsvorschlag oder gibst einen Ausblick darauf, wie das Thema in Zukunft angegangen werden könnte. 

Falsch: Es hat also eine Menge Folgen, wenn junge Leute nicht mehr lesen. Dazu gehören ein schlechteres Sprachgefühl, ein schlechteres Leseverständnis und eine geringere emotionale Reife. Kinder sollten also wieder anfangen zu lesen

Hier zieht der Autor zwar ein Fazit aus seiner kurzen Zusammenfassung. Doch das ist nicht nur langweilig, sondern auch wenig überzeugend. Der Autor macht nämlich keinen Vorschlag, wie man Kinder und Jugendliche dazu bringen könnte, wieder mehr zu lesen. 

So machst du es besser: 

Richtig: Dass junge Menschen heutzutage weniger lesen, hat demnach schwerwiegende Folgen für ihr Sprachgefühl, ihr Leseverständnis und ihre emotionale Entwicklung. Umso wichtiger ist die Aufgabe, ihre Lust am Lesen wieder zum Leben zu erwecken. Bedenkt man den positiven Effekt, den Vorlesen auf Kinder hat, könnte eine Lösung sein, Vorleseprogramme in Schulen zu fördern und auszubauen.

In diesem Beispiel fasst der Autor die wichtigsten Aussagen aus seinem Hauptteil kurz und präzise zusammen. Doch das ist nicht alles. Von der Zusammenfassung leitet er ein Fazit ab, das einen Ausblick auf eine neue Herausforderung in der Zukunft eröffnet. Im letzten Schritt bietet er darüber hinaus einen Lösungsvorschlag an, mit dem sich diese Herausforderung bewältigen lassen könnte. So wird der Leser erfolgreich zum Weiterdenken angeregt. 

Du willst deinen Essay mit Stilmitteln aufpeppen? Dann schau dir unser Video dazu an und lerne Schreiben mit Stil!

Stilmittel
Zum Video: Stilmittel

 

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