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Eine Kurzgeschichte ist eine kurze literarische Erzählung. Wie die Interpretation einer Kurzgeschichte aussieht, erklären wir dir hier. Schau dir auch unser Video zu dem Thema an!

Was ist eine Kurzgeschichte?

Die Kurzgeschichte gehört zur Gattung der Kurzprosa , also der kurzen erzählenden Literatur. Du erkennst sie als erstes an ihrer Kürze, denn sie ist deutlich knapper als beispielsweise ein Roman . Meistens umfasst sie nur wenige Seiten.

Die kurzen Geschichten nennst du auch Short Stories, da sie im englischsprachigen Raum entstanden sind. In Deutschland wurde die Kurzgeschichte in der Nachkriegszeit beliebt. Bekannte Kurzgeschichten stammen etwa von Ernest Hemingway oder Wolfgang Borchert.

Kurzgeschichte Definition

Die Kurzgeschichte ist eine kurze Form der literarischen Erzählung.  Sie wird oft unvermittelt eröffnet und auch beendet.

Die wichtigsten Merkmale der Kurzgeschichte 

Eine Kurzgeschichte hat neben ihrer Kürze noch mehr Merkmale, an der du sie erkennen kannst: 

  • Offener Einstieg: Die Geschichten haben oft keine Einleitung, sondern beginnen direkt im Geschehen. 
  • Alltäglichkeit: Die Kurzgeschichte wirkt wie aus dem Alltag gegriffen.
  • Wenige Charaktere: Es gibt nur wenige Figuren, die oft nicht namentlich genannt werden. 
  • Konflikt: Die Erzählung hat ein zentrales Thema, das zu einem Konflikt führt.
  • Pointe: Die Handlung nimmt häufig eine unerwartete Wendung (Wendepunkt).  
  • Offenes Ende: Kurzgeschichten brechen oft unerwartet ab. 

Wichtig: Eine Kurzgeschichte erfüllt nicht immer alle diese Kriterien. Sie sollen dir nur zur Orientierung dienen. Wenn du noch mehr zu den Merkmalen einer Kurzgeschichte erfahren willst, schau dir am besten gleich unser Video dazu an!

Zum Video: Merkmale einer Kurzgeschichte
Zum Video: Merkmale einer Kurzgeschichte

Wie interpretiert man eine Kurzgeschichte?

Wie bei jeder Interpretation  nimmst du dir zuerst Zeit, die Erzählung zu analysieren. Du zerlegst sie also in ihre Einzelteile und untersuchst sie auf bestimmte Merkmale. Daraufhin kannst du mit der Interpretation der Kurzgeschichte beginnen: Du deutest die Ergebnisse aus deiner Analyse.

Interpretation Kurzgeschichte – Vorbereitung

Bevor du mit dem Schreiben beginnst, solltest du dir genügend Zeit für die Vorbereitung nehmen. Auf den ersten Blick wirkt die Sprache der Kurzgeschichte relativ einfach. Lass dich davon aber nicht täuschen, denn dahinter verbirgt sich oft ein tieferer Sinn

Um dir das Verständnis zu erarbeiten, lies dir den Text also mehrmals gründlich durch. Dabei markierst du wichtige Stellen und machst dir Notizen. Um die Erzählung besser zu verstehen, kannst du dich an folgende Punkte halten: 

  • Zeit: Gibt es Hinweise darauf, wann die Geschichte spielt? Was für einen Zeitraum umfasst sie (erzählte Zeit )? Gibt es Zeitsprünge?
  • Ort: Lässt sich erkennen, wo die Erzählung stattfindet? Hat der Ort eine Bedeutung für die Handlung?
  • Figuren: Welche Figuren gibt es und in welchen Situationen befinden sie sich? In welchem Verhältnis stehen sie zueinander? Gibt es Einblicke in ihre Gedanken und Gefühle? 
  • Handlung: Wird ein Konflikt geschildert? Gibt es einen Wendepunkt? Auf welches übergeordnete Thema verweist die Handlung?
  • Sprache: Welche Sprache verwendet der Autor? Gibt es bestimmte Schlüsselwörter, die immer wieder vorkommen? Welche sprachlichen Auffälligkeiten findest du?

Interpretation Kurzgeschichte – Aufbau

Um deine Vorbereitung abzuschließen, erstellst du eine vorläufige Gliederung für deine Interpretation. Sie wird dir helfen, beim Schreiben die Orientierung zu behalten. Eine Mustergliederung findest du in diesem Beitrag unter „Aufbau“.

Interpretation Kurzgeschichte – Einleitung

In der Einleitung nennst du deinem Leser in wenigen Sätzen alle wichtigen Informationen, die er zum Text wissen muss: 

  • Titel: Wie heißt die Erzählung?
  • Autor: Wer hat die Geschichte geschrieben?
  • Entstehungszeitpunkt: Wann wurde die Geschichte geschrieben oder veröffentlicht?
  • Thema: Welches Problem oder Thema liegt der Handlung zugrunde?
  • Deutungshypothese: Was ist die Kernaussage der Kurzgeschichte?

Kurzgeschichte Interpretation – Beispiel Einleitung: Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs. Sie erschien am 27. August 1947 in der Hamburger Allgemeinen Zeitung. Der Protagonist, ein junger Mann, erzählt einer Gruppe fremder Menschen von seiner Küchenuhr und der Geschichte, die dahinter steht. Die Erzählung thematisiert die furchtbaren Erfahrungen, die viele Menschen im Krieg gemacht haben. Die Küchenuhr ist ein Symbol für die Zerstörung, aber auch für die Hoffnung.

Interpretation Kurzgeschichte – Hauptteil

Der Hauptteil deiner Kurzgeschichten-Interpretation besteht aus drei Abschnitten: Inhaltsangabe , Deutungshypothese  und Analyse mit Interpretation. 

Inhaltsangabe

Zuerst fasst du den Inhalt der Kurzgeschichte in deinen eigenen Worten knapp zusammen. Du stellst die Figuren vor und gibst die Handlung in chronologischer Reihenfolge wieder, also in der Reihenfolge, in der sie passiert ist. Beschränke dich dabei auf die wichtigsten Aspekte. 

Deutungshypothese

Anschließend erklärst du, was deiner Ansicht nach die Kernaussage der Kurzgeschichte sein könnte. Was könnte die Intention des Autors sein, also die Absicht, mit der er die Erzählung geschrieben hat? Diese Behauptung begründest du mit den Ergebnissen deiner Analyse und mit Zitaten aus dem Text. 

Kurzgeschichte Interpretation – Beispiel Deutungshypothese: „Die Küchenuhr“ von Wolfgang Borchert ist ein typischer Vertreter der Trümmerliteratur. Die Kurzgeschichte behandelt das Schicksal von Menschen, die durch den Krieg traumatisiert wurden.

Interpretation 

Die Interpretation ist eng mit der Analyse der Kurzgeschichte verzahnt. Das heißt, du zerlegst die Geschichte in ihre Einzelteile und überlegst dann, was sie bedeuten könnten. Meistens erfolgt beides im gleichen Arbeitsschritt. Mit der Interpretation willst du deine Deutungshypothese belegen. Dabei kannst du so vorgehen: 

  1. Analyse des Inhalts + Interpretation 
    • Figuren: Charakterisiere  die Figuren und erkläre ihr Verhältnis zueinander. 
    • Raum und Zeit: Ist erkennbar, wann und wo die Geschichte spielt?
    • Aufbau: In welche Abschnitte lässt sich die Handlung einteilen? Wie sind Einstieg und Ende gestaltet?
  2. Analyse der Form + Interpretation
    • Erzählperspektive : Erkläre, ob es sich um einen auktorialen / personalen / neutralen Erzähler handelt. Ist es ein Ich-Erzähler oder ein Er- / Sie-Erzähler? Ist er Teil der Handlung?
    • Erzählebenen: Gibt es verschiedene Ebenen in der Erzählung, z. B. eine „Geschichte in der Geschichte“?
    • Zeit: Wird chronologisch erzählt oder gibt es z. B. Rückblenden? 
  3. Analyse der Sprache + Interpretation
    • Sprachstil: Wie spricht der Erzähler? Welche Sprache zeichnet die Figurenrede aus? Wie ist der Satzbau?
    • rhetorische Mittel : Welche Stilmittel verwendet der Autor, um seinen Text zu gestalten?
    • Schlüsselwörter: Welche Wörter kommen immer wieder vor? Welche Bedeutung haben sie?
  4. Kontext
    • Historischer Kontext: Wann und wo ist die Geschichte entstanden? Erkennst du Elemente der Entstehungszeit?
    • Merkmale der Epoche: Weist die Erzählung bestimmte Epochenmerkmale auf? 
    • Behandeln andere Werke dasselbe Thema oder nutzen eine ähnliche Sprache?
  5. Abschließende Deutung
    • Gesamtbild: Ergeben die gesammelten Eindrücke ein stimmiges Bild?
    • Aussageabsicht: Lässt sich daraus eine Botschaft ableiten?

Wichtig: Nicht immer musst du in der Interpretation einer Kurzgeschichte auf alle Aspekte eingehen, die hier vorgeschlagen werden. Achte deshalb auf deine Aufgabenstellung

Interpretation Kurzgeschichte – Schluss

Abschließend fasst du die Erkenntnisse aus deiner Interpretation in einem Fazit zusammen. Du beantwortest, ob sich deine Deutungshypothese bestätigt hat oder nicht. Außerdem kannst du überlegen, welche Aussage die Kurzgeschichte vermittelt und wie sich diese Botschaft heute verstehen lässt. Du kannst auch deine eigene Meinung zum Text deutlich machen. 

Interpretation Kurzgeschichte – Beispiel Schluss: Die Küchenuhr in der gleichnamigen Kurzgeschichte ist ein Symbol für die Thematik der Zerstörung nach dem Krieg. Sie steht einerseits für die großen Verluste, andererseits für die Sehnsucht nach Normalität. Die Erzählung ist ein Mahnmal für die Grausamkeit des Krieges, die sich niemals wiederholen sollte. Eindrücklich vermittelt sie die Situation, in der sich viele Menschen nach Kriegsende befanden.

Interpretation Kurzgeschichte – Tipps 

Interpretationen von Kurzgeschichten kommen in Deutsch von der 9. Klasse bis zum Abitur immer wieder vor. Unsere Tipps helfen dir dabei:

  • Belege deine Aussagen mit Zitaten und Verweisen auf den Text.
  • Orientiere dich bei deiner Interpretation an der Aufgabenstellung
  • Schreibe im Präsens (Gegenwart) und verwende eine sachliche Sprache. 
  • Zähle nie einfach nur die Ergebnisse deiner Analyse auf, sondern interpretiere sie immer im nächsten Schritt. 

Ein wichtiges Element bei der Interpretation von Kurzgeschichten ist die Erzählperspektive. Wenn du dich dabei noch nicht sicher fühlst, schau dir am besten gleich unser Video zu dem Thema an!

Zum Video: Erzählperspektive
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