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Du fragst dich, was Dramentheorien sind und wie du sie für deine Interpretation nutzt? Wir zeigen dir hier, welche Konzepte dir bei der Analyse helfen.

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Inhaltsübersicht

Was sind Dramentheorien?

Dramentheorien befassen sich mit dem Aufbau und der Wirkung von Dramen. Im Laufe der Zeit wurden dabei verschiedene Vorstellungen von einem Drama entwickelt — z. B. in Bezug auf den Handlungsverlauf, die Wirkung, das Ziel und die konkrete Ausgestaltung.

Die Dramentheorien spielen in deiner Dramenanalyse eine wichtige Rolle. Die verschiedenen Merkmale helfen dir, das jeweilige Stück besser verstehen und interpretieren zu können.

Die wichtigsten Theorien stammen von Aristoteles, Lessing, Brecht und Dürrenmatt. Hier sind ihre Hauptmerkmale kompakt zusammengefasst: 

Auf der Abbildung sieht man die vier wichtigsten Theoretiker der Dramentheorien: Aristoteles, Lessing, Brecht und Dürrenmatt. Die Hauptmerkmale ihrer Theorien sind aufgelistet als  Handlungsverlauf, Ziel, Wirkung und die konkrete Ausgestaltung.
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Dramentheorien im Überblick

Wie sich die vier Theoretiker im Detail unterscheiden, schauen wir uns jetzt genauer an.

Was ist Aristoteles‘ Dramentheorie?

Das sind die wichtigsten Merkmale seiner Theorie:

  • Eleos und Phobos: Jammern und Schaudern beim Publikum
  • Katharsis: emotionale Reinigung
  • Mimesis: Nachahmung 
  • Geschlossene Handlung: Eine einzige, übersichtliche Handlung, keine Nebenhandlungen
  • Ständeklausel: adelige Figuren im Mittelpunkt 
  • Drei Einheiten: Einheitlichkeit von Ort, Zeit und Handlung
  • Gehobene Sprache 
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Katharsis, Mimesis und die drei Einheiten

Diese drei Merkmale des aristotelischen Dramas werden dir im Unterricht wohl am häufigsten begegnen:

Was bedeutet Katharsis?
Die Katharsis (emotionale Reinigung) des Publikums geschieht, in dem es Eleos (Mitleid) mit den Figuren und Phobos (Furcht) vor ihrem Schicksal empfindet. Dadurch soll der Zuschauer am Ende einen Zustand innerer Ausgeglichenheit erreichen.

Was bedeutet Mimesis?
Eine Mimesis (Nachahmung) im Drama ist dazu da, die Wirklichkeit möglichst genau abbilden. Sie hat keinen Erzähler und geschieht durch direkte Rede. 

Was bedeuten die drei Einheiten?

  • Die Einheit der Zeit: Die Handlung spielt sich in einem engen Zeitraum (meistens an einem Tag) ab. 
  • Einheit des Ortes: Das Geschehen findet an einem einzigen Schauplatz statt.
  • Einheit der Handlung: Es gibt eine Haupthandlung, ohne Nebenhandlungen.
Aufbau eines geschlossenen Dramas 

Gustav Freytag entwickelte auf Basis von Aristoteles‘ Theorie ein Modell, das den Aufbau von geschlossenen Dramen beschreibt. Demnach verläuft ein klassisches Drama in 5 Akten:

  • Akt 1 (Exposition): Figuren, Ort und Ausgangssituation werden eingeführt
  • Akt 2 (erregendes Moment): Der Konflikt baut sich auf, die Handlung verschärft sich
  • Akt 3 (Peripetie): Die Spannung erreicht ihren Höhepunkt, es kommt zu einer Wendung
  • Akt 4 (retardierendes Moment): letzter Spannungsmoment, die Handlung geht auf das Ende zu
  • Akt 5 (Katastrophe / Lösung): Der Konflikt endet, oft im Untergang oder in der Auflösung

Was ist Lessings Dramentheorie?

Gotthold Ephraim Lessing (1729–1781) war ein deutscher Dichter und Dramatiker der Aufklärung. Er setzte sich für Vernunft, Toleranz und Humanität ein. Zu seinen bekanntesten Werken zählen Nathan der Weise und Emilia Galotti.

Er entwickelte die Dramentheorie von Aristoteles weiter. Das Theater soll den Zuschauer nicht nur unterhalten, sondern ihn moralisch bilden. Besonders wichtig ist dabei das Mitleid. Das Publikum soll das Leid der Figuren nachempfinden und dadurch selbst mitfühlender werden.

Das sind die wichtigsten Merkmale von Lessings Theorie:

  • Mitleid als wichtigste emotionale Wirkung der Tragödie
  • Identifikation mit den leidenden Figuren
  • Moralische Erziehung: Das Theater soll den Menschen verbessern
  • Bürgerliche Figuren: Auch Bürger können Hauptfiguren einer Tragödie sein
  • Antike als Vorbild, aber Weiterentwicklung ihrer Regeln für die eigene Zeit

Was ist Brechts Dramentheorie?

Der Begründer des epischen Theaters war der Dramatiker Bertolt Brecht (1898–1956). Er übte Gesellschaftskritik aus und regte zum kritischen Denken an. Du kennst ihn vielleicht durch seine Werke Mutter Courage und ihre Kinder und Der gute Mensch von Sezuan.

Brecht wendete sich bewusst vom klassischen Drama nach Aristoteles ab. Der Zuschauer soll bei ihm das Geschehen mit kritischer Distanz betrachten, statt sich mit den Figuren zu identifizieren. Dadurch soll er über gesellschaftliche Probleme und mögliche Veränderung nachdenken. Es geht also stärker um Mitdenken statt Mitleiden.

Das sind die wichtigsten Merkmale von Brechts Theorie:

  • Verfremdungseffekt: ungewohnte Darstellung für kritischen Abstand
  • Distanz statt Identifikation: Beobachten und Beurteilen statt Mitfühlen
  • Offene Form: unabhängige Szenen, keine geschlossene Handlung
  • Gesellschaftskritik: soziale und politische Missstände aufzeigen und hinterfragen

Wie wirkt der Verfremdungseffekt?

Der Verfremdungseffekt ist ein Stilmittel, das von Brecht eingesetzt wird. Damit bewirkt er, dass das Publikum sich kritisch vom Bühnengeschehen distanzieren kann. Dafür nutzt er zum Beispiel Direktansprachen an das Publikum oder auch sichtbare Bühnenumbauten.

Was ist Dürrenmatts Dramentheorie?

Dürrenmatt geht noch einen Schritt weiter als Brecht. Er löst nicht nur die aristotelische Dramentheorie auf, sondern stellt die gesamte Vorstellung einer stabilen, sinnvollen Ordnung infrage.

Sein Schlüsselbegriff ist die Tragikomödie. Sie verbindet Tragisches und Komisches. Dadurch erzeugt Dürrenmatt Irritation und Distanz. 

Das sind die wichtigsten Merkmale seiner Theorie:

  • Groteske Überzeichnung: übertriebene Darstellung der Realität zur Reflexion
  • Zufall und Unberechenbarkeit: chaotische Handlung mit unerwarteten Wendungen

Wie wendest du die Dramentheorien an?

Um die jeweilige Dramentheorie zu erkennen und sie richtig zu interpretieren, können dir diese Leitfragen helfen: 

  • Handlung und Aufbau: Ist die Handlung geschlossen oder offen? Bauen die Szenen aufeinander auf? Gibt es Einheit in Zeit, Ort und Handlung? 
  • Figurenkonstellation: Gibt es adelige oder bürgerliche Figuren? Soll sich das Publikum mit den Hauptfiguren identifizieren oder sich distanzieren? Empfindet das Publikum Mitleid?
  • Sprache und Kommunikation: Gibt es einen Erzähler oder nur direkte Rede? Wird das Publikum direkt angesprochen (Verfremdungseffekt)? 
  • Bühne und Regieanweisungen: Spielt die Handlung an mehreren Orten oder nur an einem? Gibt es Ortswechsel oder sichtbare Umbauten (Verfremdungseffekt)?

    Hier findest du ein paar Hilfen, wie du deine Erkenntnisse in einer Dramenanalyse formulieren kannst:

Theorie Beispiel
Aristoteles „Der geschlossene Handlungsverlauf entspricht Aristoteles’ Dramentheorie. Das tragische Schicksal der Figur erzeugt zudem „Jammern“ und „Schaudern“, wodurch eine Katharsis ermöglicht wird.“
Lessing „Die bürgerliche Hauptfigur erleichtert dem Zuschauer die Identifikation. Das dadurch entstehende Mitleid entspricht Lessings Ziel der moralischen Bildung.“
Brecht „Die direkte Ansprache des Publikums erzeugt einen Verfremdungseffekt. Dadurch wird die Identifikation verhindert und der Zuschauer zum kritischen Nachdenken angeregt.“
Dürrenmatt „Die Verbindung von komischen und erschreckenden Elementen erzeugt das typische Groteske. Dadurch erscheint die moderne Welt als widersprüchlich und chaotisch.“

Dramatik verstehen

Dramentheorien gehören zur Dramatik und helfen dir, Theatertexte klar einzuordnen. Wer sich mit Dramatik beschäftigt, vergleicht Aufbau, Figuren und Wirkung verschiedener Dramen. So wird deutlich, wie sich ein geschlossenes Drama von einer offenen Form unterscheidet und welche Wirkung ein Stück beim Publikum anlegt. Im Deutschbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.

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