Bei einer Textbeschreibung von einem Prosa-Text analysierst du Inhalt, Form und Sprache eines Textes systematisch. Welche Schritte du dafür brauchst, zeigen wir dir hier.
Inhaltsübersicht
Was ist eine Prosa Textbeschreibung?
Eine Textbeschreibung zu einem Prosatext ist eine Analyse von frei formulierten, ungebundenen Texten (z. B. Kurzgeschichten oder Romanen).
Du baust sie in drei Teilen auf:
- Einleitung (Einleitungssatz)
- Hauptteil (Inhaltsangabe, Analyse, Textaussage)
- Schluss (Autorenabsicht, persönliche Einschätzung)
Was jeweils in die einzelnen Teile gehört, schauen wir uns jetzt genauer an.
Einleitung
In der Einleitung nennst du in wenigen Sätzen alle wichtigen Informationen, die der Leser zum Text wissen muss:
- Textsorte
- Titel
- Autor
- Erscheinungsjahr (weglassen, falls unbekannt)
- Thema
Beispiel Einleitung: Wolfgang Borcherts Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ stammt aus der unmittelbaren Nachkriegszeit des 2. Weltkriegs. Sie erschien am 27. August 1947 in der Hamburger Allgemeinen Zeitung. Der Protagonist, ein junger Mann, erzählt einer Gruppe fremder Menschen von seiner Küchenuhr und der Geschichte, die dahinter steht. Die Erzählung thematisiert die furchtbaren Erfahrungen, die viele Menschen im Krieg gemacht haben. Die Küchenuhr ist ein Symbol für die Zerstörung, aber auch für die Hoffnung.
Halte dich in deiner Einleitung an diese drei Grundregeln:
- Im Präsens formulieren
- In eigenen Worten schreiben (keine wörtliche Rede, keine Zitate)
- Sachlich und kurz bleiben (keine Wertung, keine Analyse)
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Hauptteil
Im Hauptteil fasst du den Text kurz zusammen. Anschließend findet deine eigentliche Analyse statt. Du untersuchst den Text dabei auf folgende Informationen:
- Inhalt
- Form
- Sprache
- Textaussage
Zum Schluss formulierst du die Textaussage und erklärst, was der Text insgesamt sagen möchte.
Inhaltsangabe
Bevor du in die Analyse gehst, fasst du kurz den Inhalt des Textes zusammen. In 3–5 Sätzen nennst du Hauptfigur(en), Ausgangssituation, zentralen Konflikt, Wendepunkt und groben Ausgang.
Analyse
Bei jedem Analysepunkt gehst du im Hauptteil immer so vor:
- Beobachtung machen
- Belegen durch Zitate
- Bedeutung erklären
Beispiel Analyse: Borchert verwendet in der Kurzgeschichte eine einfache und teilweise umgangssprachliche Sprache, wodurch das Gespräch zwischen den Figuren natürlich und glaubwürdig wirkt. Dies wird beispielsweise an der Äußerung des jungen Mannes „Dann war es immer halb drei“ (Z. XX) deutlich. Auch die kurzen und einfachen Sätze unterstreichen die schlichte Ausdrucksweise. Dadurch wirkt die Situation besonders realistisch und alltäglich. Gleichzeitig wird deutlich, dass der junge Mann sein schweres Schicksal nur zurückhaltend zum Ausdruck bringt, wodurch seine Trauer und sein Verlust besonders eindringlich wirken.
In deiner Analyse solltest du deine Aussagen mit Zitaten belegen. Dadurch wirkt deine Analyse überzeugender. So zitierst du richtig:
- Finden: Suche Stellen, die deinen Analysepunkt direkt belegen. Wähle lieber eine kurze, treffende Passage als eine lange, die nur vage passt.
-
Einbinden: Setze das Zitat in Anführungszeichen und füge es in deinen Satz ein. Lässt du etwas weg, kennzeichnest du das mit drei Punkten in eckigen Klammern: […]. Am Ende ergänzt du eine kurze Zeilenangabe.
➡️Beispiel: Seine Reaktion wird klar, als beschrieben wird, dass der Sohn „nicht antwortete […]“ (Z. 14) -
Auswerten: Erkläre unmittelbar nach dem Zitat, was die Stelle zeigt. Beziehe sie auf Figur, Konflikt oder Thema.
➡️Beispiel: Dadurch wird deutlich, dass der Sohn jede Reaktion verweigert. Das zeigt, wie tief der Konflikt zwischen Vater und Sohn bereits ist.
Analyse: Inhalt
Beim Inhalt untersuchst du diese drei Analysepunkte:
-
Ort und Zeit
Wann und wo spielt die Geschichte? Vergangenheit oder Gegenwart? Ein Ort oder mehrere? -
Figuren
Wer sind Haupt- und Nebenfiguren? Welche Beziehungen haben sie zueinander? -
Handlung
Wie ist die Ausgangssituation? Wie verläuft der Konflikt? Wo liegt der Wendepunkt? Wie endet die Geschichte?
Analyse: Form
Bei der Analyse der Form schaust du auf folgende Bereiche:
- Erzählperspektive: Handelt es sich um einen einen auktorialen , personalen oder neutralen Erzähler? Ist es ein Ich-Erzähler oder ein Er- / Sie-Erzähler? Ist er Teil der Handlung?
- Aufbau und Erzählschritte: Wie sind die Informationen angeordnet? Gibt es Rückblenden oder eine klare Chronologie?
- Zeitgestaltung: Wie viel Textraum bekommt ein Ereignis? Wird manche Szene gedehnt, eine andere gerafft? Wie ist das Verhältnis zwischen Erzählzeit und erzählter Zeit?
Analyse: Sprache
Wenn du die Sprache analysierst, schaust du auf diese drei Punkte:
- Wortwahl: Welche Wörter fallen auf? Klingen sie formell, umgangssprachlich oder emotional?
- Satzbau: Sind die Sätze lang oder kurz? Einfach oder verschachtelt? Gibt es Parataxen oder Hypotaxen?
- Sprachliche Mittel: Welche Stilmittel setzt der Autor ein, z. B. Metaphern, Vergleiche oder Symbole?
- Tempus: Wird im Präsens oder Präteritum erzählt? Gibt es einen Wechsel?
Textaussage
Im letzten Schritt des Hauptteils bringst du alle Erkenntnisse zusammen und formulierst die Textaussage.
Die Textaussage beantwortet die Frage: Was will der Text sagen? Dabei greifst du nur auf Beobachtungen zurück, die du bereits belegt und erklärt hast. Neue Aspekte gehören hier nicht mehr hin.
So gehst du vor:
- Wichtigste Befunde sammeln: Wähle aus jedem Bereich zwei bis drei Beobachtungen, die besonders deutlich auf das Thema hinweisen.
- Befunde verbinden: Zeige, wie sie zusammenpassen. Was ergibt sich, wenn du Inhalt, Form und Sprache gemeinsam betrachtest?
- Textaussage formulieren: Fasse das Ergebnis in 2–4 Sätzen zusammen.
Schluss
Der Schlussteil besteht nur aus wenigen Sätzen. Hier fasst du keine neuen Inhalte zusammen und führst keine neuen Aspekte ein. Du beziehst dich nur auf deine bisherigen Erkenntnisse.
- Autorenabsicht: Was möchte der Autor dem Leser mit diesem Text vermitteln?
- Persönliche Einschätzung: Was hältst du vom Text? Überzeugt er dich, berührt er dich, regt er dich zum Nachdenken an? Kannst du den Text mit einer Alltagssituation verknüpfen?
Achtung: Vergiss nicht, auch im Schlussteil Belege für deine Aussagen anzuführen!
Beispiel Schluss: Insgesamt möchte Wolfgang Borchert mit der Kurzgeschichte „Die Küchenuhr“ zeigen, welche tiefen Folgen Krieg und Verlust für einen Menschen haben können. Dies wird besonders daran deutlich, dass die Küchenuhr für den jungen Mann zum Symbol für die verlorene Geborgenheit seiner Familie wird (Z.XX) und er sich nur an die Zeit „halb drei“ erinnert (Z.XX). Die Geschichte hat mich berührt, weil sie mit einem einfachen Gegenstand zeigt, wie wertvoll alltägliche Momente mit geliebten Menschen sein können, und regt dazu an, die eigene Zeit mit Familie und Freunden bewusster wahrzunehmen.
Prosatexte verstehen
Die Textbeschreibung Prosa gehört zum Themenfeld der Prosatexte und ist ein wichtiger Teil des Deutschunterrichts. Wer sich mit Prosatexten beschäftigt, untersucht Figuren, Handlung, Erzählweise und Sprache in Geschichten. So wird klar, wie ein Text seine Wirkung erzeugt und welche Aussage hinter einer Kurzgeschichte oder Erzählung steckt. Im Deutschbereich findest du passende Videos zu diesem und verwandten Themen.