Literarische Werke
Werke des 18. und 19. Jahrhunderts
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Bahnwärter Thiel – Übersicht

In der Novelle geht es um einen Mann namens Thiel, der als Bahnwärter arbeitet. Als seine Ehefrau stirbt, bleibt er mit dem gemeinsamen Sohn Tobias allein zurück. Eines Tages kommt Tobias bei einem Zugunfall ums Leben. Geplagt von Schuldgefühlen und Verzweiflung, wird Thiel schließlich zum Mörder.

  • Veröffentlichung: 1888
  • Autor: Gerhart Hauptmann
  • Gattung: Novelle
  • Epoche: Naturalismus
  • Hauptfiguren: Bahnwärter Thiel, Tobias, Minna, Lene
  • Gut zu wissen: Auf der Bahnstrecke, an der Thiels Wärterhäuschen steht, gab es tatsächlich ein Zugunglück, von dem sich Hauptmann inspirieren ließ.

Bahnwärter Thiel – Inhaltsangabe

Der Bahnwärter Thiel heiratet nach dem Tod seiner ersten Frau Minna die Kuhmagd Lene. Sie ist laut und herrisch und oft schreit sie Thiel an. Auch Thiels Sohn Tobias leidet unter Lene. Sie schlägt und beschimpft ihn, da er nicht ihr eigenes Kind ist, sondern der Sohn von Thiel und Minna. Als Lene einen eigenen Sohn bekommt, wird es für Tobias noch schlimmer.

Thiel trauert um seine verstorbene Frau Minna und nutzt seine Zeit im Wärterhäuschen, um wie besessen an sie zu denken. Als Lene und die beiden Kinder Thiel eines Tages zu seiner Arbeit ins Wärterhäuschen begleiten, wird Tobias von einem Zug erfasst und stirbt. Thiel gibt Lene die Schuld, weil sie nicht richtig aufgepasst hat. Aus Verzweiflung bringt Thiel schließlich Lene und ihren Sohn um. 

Bahnwärter Thiel – Figurenkonstellation

Hier siehst du die wichtigsten Figuren der Novelle und in welcher Beziehung sie zueinander stehen.

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Bahnwärter Thiel – Figurenkonstellation

Bahnwärter Thiel

  • arbeitet in einem Wärterhäuschen im Wald
  • gewissenhaft, fromm, unterwürfig
  • will Tobias beschützen, schafft es aber nicht
  • trauert Minna hinterher
  • wird durch Tobias‘ Tod wahnsinnig

Minna

  • Thiels erste Ehefrau 
  • Mutter von Tobias
  • stirbt bei Tobias‘ Geburt
  • blass, dünn und kränklich
  • wird von Thiel nahezu religiös verehrt

Lene

  • Thiels zweite Frau 
  • Mutter seines zweiten Sohnes
  • kräftig gebaut, stark, herrisch
  • vernachlässigt und misshandelt Tobias
  • wird von Thiel ermordet

Tobias

  • Thiels und Minnas Sohn
  • kränklich und blass wie seine Mutter
  • will Bahnwärter werden wie sein Vater
  • stirbt bei einem Zugunglück

Bahnwärter Thiel – Zusammenfassung

Die Geschichte spielt in Schönschornstein, einer Wohnsiedlung nahe der Stadt Erkner (Brandenburg). Thiels Wärterhäuschen liegt an der Bahnstrecke zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder.

Thiel und Lene – Bahnwärter Thiel Zusammenfassung

Thiel arbeitet seit zehn Jahren als Bahnwärter in einem kleinen Wärterhäuschen im Wald. Er erledigt seine Arbeit gewissenhaft und genießt die Ruhe an seinem Arbeitsplatz, da nur selten ein Zug vorbeikommt. Als Thiel eine junge Frau namens Minna kennenlernt, heiraten die beiden. Thiel liebt Minna über alles, doch sie gilt als schwach und kränklich und stirbt bald darauf bei der Geburt ihres Sohnes Tobias.

Da Thiel jeden Tag zur Arbeit muss und sich somit nicht allein um Tobias kümmern kann, heiratet er nach einem knappen Jahr die Kuhmagd Lene. Sie ist das genaue Gegenteil von Thiels verstorbener Frau Minna: stark, kräftig gebaut, aufbrausend und herrschsüchtig. Oft ist sie grundlos wütend auf Thiel und schreit ihn an. Thiel lässt all das über sich ergehen und widerspricht Lene nie. Auch an Tobias lässt Lene ihre Wut aus. Anfangs nimmt Thiel den kleinen Tobias noch in Schutz, doch bald schon fühlt sich Thiel unfähig, Widerworte zu geben.

Lenes Brutalität – Bahnwärter Thiel Zusammenfassung

Lene ist inzwischen zum Familienoberhaupt geworden und hat Thiel und Tobias in ihrer Gewalt. Wenn Thiel an seine verstorbene Frau Minna denkt und seine beiden Ehen miteinander vergleicht, dann ekelt er sich vor Lene. Die Ehe mit Lene ist nur von körperlicher Liebe geprägt. Ihre herrische Art übt eine ungeheure sexuelle Anziehung auf Thiel aus, der er sich nicht entziehen kann. Minna hatte er hingegen aus Liebe geheiratet und während der Arbeit denkt er oft an sie und ihre Zuneigung. Er scheint zunehmend wie besessen von ihr und verehrt sie wie eine Heilige

Tobias leidet zunehmend unter Lenes Erziehung, da sie sich kaum um ihn kümmert. Er wirkt schwach und gebrechlich und bleibt in seiner Entwicklung immer weiter zurück. Als Lene ebenfalls ein Kind bekommt, ignoriert sie Tobias noch mehr und kümmert sich nur um ihr eigenes Kind. Eines Tages bemerkt Thiel, dass Tobias am ganzen Körper Schwellungen hat — vermutlich hat Lene ihn geschlagen.

Allerdings spricht er weder Lene noch Tobias darauf an. Ein anderes Mal kehrt er auf dem Weg von der Arbeit noch einmal um, da er sein Butterbrot vergessen hat. Zu Hause begegnet er Lene, die Tobias anschreit und beschimpft. Als Lene Thiel bemerkt, richtet sie ihre Wut an ihn und wirft ihm vor, sie zu belauschen. Wortlos wirft Thiel einen Blick auf den weinenden Tobias, nimmt sein Butterbrot und verlässt das Haus.

Thiels Traum von Minna – Bahnwärter Thiel Zusammenfassung

Kurz darauf trifft Thiel am Wärterhäuschen ein und nimmt seine Arbeit auf. Er denkt erneut an Minna. Außerdem hat er Lene versprochen, dass sie ein Stück Land nahe der Bahnstrecke bewirtschaften und dort Kartoffeln anbauen darf. Mit einem unguten Gefühl macht er sich auf den Weg dorthin und beginnt damit, den Boden umzugraben. Dabei wird Thiel klar, dass er Lene ab jetzt auch während der Arbeitszeit bei sich haben wird. Er kann nun nicht mehr ungestört an Minna denken und wird auch noch am Arbeitsplatz daran erinnert, wie schrecklich Lene Tobias behandelt. Thiel schämt sich dafür, dass er seinen Sohn nicht vor Lene beschützt und hilflos dabei zusieht, wie sie ihn misshandelt. 

Während der Nachtschicht schläft Thiel im Wärterhäuschen ein und träumt von Minna. Im Traum schleppt sie sich in Lumpen gekleidet über die Bahngleise und ignoriert Thiel. Schweißgebadet fährt er hoch und bemerkt, dass draußen ein Unwetter tobt und außerdem ein Zug naht. Thiel versucht, die Gedanken an den Traum abzuschütteln und sich voll und ganz auf den Zug und seine Arbeit zu konzentrieren. 

Der Unfall – Bahnwärter Thiel Zusammenfassung

Am Tag darauf will Lene Thiel zur Arbeit begleiten und die beiden Kinder mitnehmen. Sie will sich das Stück Land ansehen und daraus einen Kartoffelacker machen. Thiel wird unwohl bei dem Gedanken, Lene während der Arbeit so nah bei sich zu haben. Beim Wärterhäuschen angekommen, beginnt Lene sofort damit, den Acker weiter umzugraben und Saatkartoffeln einzupflanzen. Thiel zeigt Tobias währenddessen seinen Arbeitsplatz. Zum Mittagessen treffen sich die vier wieder auf dem Kartoffelacker und Thiel beginnt sich daran zu gewöhnen, Lene und die Kinder auch während der Arbeit bei sich zu haben.

Nach dem Essen kehrt Thiel in das Wärterhäuschen zurück und Lene bleibt mit den Kindern auf dem Acker. Bald soll ein Schnellzug am Wärterhäuschen vorbeifahren und Thiel trifft alle nötigen Einstellungen an der Schranke und an den Gleisen. Als der Zug schließlich kommt, hört Thiel plötzlich das Pfeifen des Notsignals und er sieht, wie etwas unter die Räder des Zuges gerät. Thiel hört Schreie. Die Bahn bremst und zwei Schaffner steigen aus. Als Thiel an der Unglücksstelle ankommt, erkennt er, dass Tobias schwer verletzt auf den Gleisen liegt während Lene weint. Tobias wird auf einer Bahre davongetragen und der Zug fährt weiter. Thiel kehrt in sein Wärterhäuschen zurück, wo er bewusstlos zusammenbricht. 

Wahnsinn und Mord – Bahnwärter Thiel Zusammenfassung

Als er wieder zu sich kommt, meint er, Minna wiederzusehen. Er verspricht ihr, sich an Lene zu rächen und sie umzubringen. Wenig später trifft ein weiterer Zug ein. Lene steigt aus und einige Männer tragen Tobias‘ Leiche heraus. Thiel wird erneut ohnmächtig und einige Männer erklären sich bereit dazu, ihn nachhause zu tragen.

Der Weg dorthin führt über den Fluss Spree und man gelangt dort mit einem kleinen Boot von einem Flussufer ans andere. Zuerst tragen sie Thiel auf einer Bahre zum Boot, danach holen sie Lene ab und ganz zum Schluss Tobias Leiche. Als sie zum dritten Mal an Thiels Haus ankommen, um die Leiche des Jungen abzusetzen, ist Thiel verschwunden. Im Haus finden sie Lene und ihren kleinen Sohn, beide ermordet. Am nächsten Tag wird auch Thiel gefunden: Er sitzt an der Unfallstelle auf den Gleisen und hat Tobias‘ Mütze in der Hand. Thiel wird in eine Irrenanstalt gebracht.

Bahnwärter Thiel – Interpretation

Neben der Zusammenfassung ist es auch wichtig, einige Interpretationsansätze für „Bahnwärter Thiel“ zu kennen. Zwei davon stellen wir dir jetzt vor. 

Du findest in „Bahnwärter Thiel“ zwei Symbole , die sich durch die gesamte Novelle ziehen: die Eisenbahn und das Wärterhäuschen. Die Eisenbahn kann nur dort fahren, wo auch Schienen verlegt sind — ihre Strecke ist also vorherbestimmt. Auch Thiels Leben scheint vorherbestimmt und er weiß nicht, wie er aus seiner Situation entkommen kann. Zwar möchte er Tobias vor Lene beschützen, doch es gelingt ihm nicht, sich von ihr loszureißen und sich gegen sie zu stellen. Thiel muss beobachten, wie sein Leben wie ein Schnellzug an ihm vorbeirast und er nicht in der Lage ist, den Zug anzuhalten, beziehungsweise sein Leben zu ändern. Das Wärterhäuschen dagegen ist für ihn ein Ort der Sicherheit, ein Rückzugsort, wo er an Minna denken kann. Draußen, vor der Tür der Wärterhäuschens, lässt er die Züge und die Welt vorbeiziehen, während er im Inneren in Sicherheit ist.

Außerdem kannst du die Novelle als eine Art psychologische Analyse sehen. Die Frage, die dabei im Mittelpunkt steht, ist: Warum bringt ein Mensch seine Familie um? Mörder werden in Gerichtsprozessen und in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur als Verbrecher und Schuldige gesehen. „Bahnwärter Thiel“ zeigt, wie aus dem gutmütigen Thiel ein Mörder wird. Mit dem Tod von Minna beginnt für Thiel eine Reihe von Schicksalsschlägen, an denen Lene nicht ganz unschuldig ist. Er versucht sich zunehmend in die heile Welt im Wärterhäuschen und in die Gedanken an Minna zu flüchten. Als jedoch Lene und die Kinder ihn auf der Arbeit besuchen, dringen sie in seine kleine, heile Welt ein. Das Zugunglück und Tobias‘ Tod führen endgültig dazu, dass Thiel wahnsinnig wird und schließlich Lene und seinen Sohn ermordet.

Bahnwärter Thiel – Zeitgeschichtlicher Hintergrund

„Bahnwärter Thiel“ stammt aus dem Jahr 1888 und lässt sich somit in die Zeit des Naturalismus einordnen. Ende des 19. Jahrhunderts prägten viele technische und wissenschaftliche Neuerungen das Leben der Menschen. Die Industrialisierung lockte zahlreiche Arbeiter in die Städte, doch dort gab es kaum genügend Wohnraum und die Menschen arbeiteten für einen geringen Lohn. Armut und Elend waren die Folge. Die Autoren des Naturalismus versuchten, die Welt so realitätsnah wie möglich in ihren Werken abzubilden und auch die hässlichen Seiten des Lebens fanden darin ihren Platz. Zudem beschäftigten sie sich mit der Frage, inwieweit der Mensch von seiner Abstammung und seinem sozialen Umfeld bestimmt wird.

„Bahnwärter Thiel“ weist viele Merkmale des Naturalismus auf. Zum einen zeigt sich deutlich, dass Thiel keineswegs sein Schicksal in der Hand hat, sondern sich Lene und ihren Launen fügen muss. Er selbst nimmt eher die Rolle des passiven Zuschauers ein und betrachtet all die Geschehnisse in seinem Leben von außen, als wäre er selbst gar kein Teil davon. Die Eisenbahn als zentrales Motiv kannst du als Zeichen für den Fortschritt und die Industrialisierung deuten. Viele Menschen standen neuen Erfindungen skeptisch gegenüber und auch die Züge in „Bahnwärter Thiel“ wirken bedrohlich und nahezu lebendig. 

Interpretation

Jetzt weißt du, worum es in der Novelle geht. Damit dir auch deine Interpretation zu Gerhart Hauptmann — „Bahnwärter Thiel“ gelingt, findest du hier ein Video mit allem, was du dazu wissen musst.

Zum Video: Bahnwärter Thiel - Interpretation
Zum Video: Bahnwärter Thiel – Interpretation

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